Jahresrechnung 2021 der Gemeinde Glarus geprägt durch Investition in Glasfasernetz
Nachdem seit dem Jahr 2014 durchwegs positive Jahresergebnisse ausgewiesen werden konnten, schliesst die Gemeinde Glarus das Geschäftsjahr 2021 bei einem Gesamtertrag von CHF 55.8 Mio. (Vorjahr: CHF 58.3 Mio.) und einem Gesamtaufwand von CHF 59.8 Mio. (Vorjahr: CHF 57.8 Mio.) mit einem Aufwandüberschuss von CHF 4 Mio. ab (budgetiert CHF 2 Mio.). Ein nicht budgetierter A-Fonds-perdu-Beitrag zum Ausbau des Glasfasernetzes der Technischen Betriebe Glarus von netto CHF 1.5 Mio. trägt in erster Linie zu diesem gegenüber Budget höheren Verlust bei.
Die Herbstgemeindeversammlung im Jahr 2020 hatte beschlossen, den Gemeindesteuerfuss von 63% auf 61% zu senken, womit alle Steuerzahlenden ab 2021 entlastet werden. Ein Jahr später hat die Herbstgemeindeversammlung 2021 einen A-Fonds-perdu-Investitionsbeitrag zum Aufbau der Glasfaserinfrastruktur in der Gemeinde Glarus an die Technischen Betriebe Glarus über CHF 5 Mio. genehmigt. Der Beitrag konnte teilweise durch den Verkauf des Koaxialkabelnetzes an die UPC Schweiz GmbH (CHF 3.5 Mio.) finanziert werden. Gemäss Beschluss der Gemeindeversammlung wird der Nettoaufwand von CHF 1.5 Mio. der Jahresrechnung 2021 der Gemeinde Glarus belastet. Diese Glasfaserinfrastruktur ist eine entscheidende Investition der Gemeinde in die digitale Zukunft des Wohn- und Wirtschaftsstandortes Glarus.
Steuerertrag geht deutlich zurück
Der Steuerertrag 2021 liegt mit CHF 35.86 Mio. um rund CHF 4.0 Mio. tiefer als 2020. Rund CHF 1.2 Mio. dieses tieferen Steuerertrags lassen sich durch die Senkung des Steuerfusses von 63% auf 61% per Geschäftsjahr 2021 erklären. Beim Rest handelt es sich effektiv um einen Rückgang, und zwar sowohl bei den natürlichen (insgesamt CHF -2.28 Mio.) als auch den juristischen Personen (insgesamt CHF -1.70 Mio.). Insgesamt liegt der Steuerertrag 2021 auch 0.6 Mio. unter den Budget-Annahmen.
Der Personalaufwand fällt mit CHF 27.57 Mio. gegenüber dem Vorjahr zwar um CHF 1.02 Mio. höher aus, im Vergleich zum Budget konnte er jedoch um CHF 0.20 Mio. unterschritten werden. Trotz rekordverdächtig grosser Aufwendungen für die Schneeräumung aufgrund des schneereichen Winters 2020/21 (CHF 0.97 Mio.) liegt der Sach- und übrige Betriebsaufwand mit insgesamt CHF 11.82 Mio. um CHF 0.60 Mio. unter dem Budget. Einsparungen gab es vor allem beim Material- und Warenaufwand (CHF -0.25 Mio.) und bei den Dienstleistungen und Honoraren (CHF -0.31 Mio.).
Investitionstätigkeit erneut auf mittlerem Niveau
Die grössten Einzelpositionen bei den Investitionen im Jahr 2021 (insgesamt netto CHF 6.40 Mio.) sind wie im Vorjahr die Gesamterneuerung der Schule Netstal (netto CHF 1.28 Mio.), die Sanierung der Fassade der Truppenunterkunft Glarus (CHF 0.71 Mio.), die bauliche Norm-Sanierung der Strassen und Plätze (CHF 0.62 Mio.), die Sanierung der Lerchenstrasse Netstal-Riedern (CHF 0.52 Mio.), der Neubau der Forst-Erschliessungsstrasse Riettürli (CHF 0.39 Mio.) sowie die Sanierung der Schwimmbadstrasse bis Goldigen Netstal (CHF 0.37 Mio.). Der Investitionsanteil liegt mit 13.6% (Vorjahr: 16.3%) erneut im mittleren Bereich. Der Selbstfinanzierungsgrad beträgt 13.9% (Budget: 16.6%, Vorjahr: 68.6%).
Finanzpolitische Herausforderung in den kommenden Jahren
Aufgrund von wichtigen und grossen Investitionsvorhaben wird der Erhalt einer soliden Finanzlage die Gemeinde Glarus in den nächsten Jahren fordern. Es kommen weitere Investitionsvorhaben in je zweistelligem Millionenbereich auf die Gemeinde Glarus zu: unter anderem in den Bereichen Schulraumentwicklung, Hochwasserschutz sowie Freizeit- und Basisinfrastruktur. Damit die Qualität der Infrastruktur der Gemeinde Glarus auch in Zukunft beibehalten wird und sich die Gemeinde entwickeln kann, wird diese Investitionstätigkeit in den kommenden Jahren von zentraler Bedeutung bleiben. Der Gemeinderat hinterfragt und priorisiert sämtliche Investitionsvorhaben kritisch auf Notwendigkeit, Höhe und Zeitpunkt. Zur Finanzierung grosser Bauvorhaben werden auch Bausteuerzuschläge auf Gemeindeebene geprüft.
Dazu kommt, dass die Leistungen der Gemeinde Glarus für den innerkantonalen Finanzausgleich auch in den kommenden Jahren hoch bleiben werden.
Die Steuererträge sind 2021 im Vergleich zu den beiden Vorjahren wie erwartet zurückgegangen, dies jedoch nur in vergleichsweise geringem Masse wegen der Reduktion des Steuerfusses. Die in der Budgetierung zugrunde gelegte kantonale Projektion der Steuererträge seit der anfangs des Jahres 2020 umgesetzten Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) scheint sich bei den juristischen Personen nicht zu bewahrheiten. Der Gemeinderat blickt der für das Jahr 2022 angekündigte diesbezügliche Analyse des Kantons und den daraus folgenden erforderlichen Entlastungen der Gemeinde Glarus mit Interesse entgegen.
Die Finanzdisziplin ist ausgewiesen hoch, die operativen Rechnungsergebnisse der Vorjahre waren gut, womit die finanzpolitische Lage der Gemeinde gestärkt werden konnte. Das Nettovermögen pro Einwohner (CHF 1'175) bleibt weiterhin hoch. Und die an der Landsgemeinde 2022 beschlossenen Anpassungen am kantonalen Finanzhaushaltrecht werden die Gemeindefinanzen in den kommenden Jahren voraussichtlich entlasten. Aus diesen Gründen bleibt der Gemeinderat trotz des negativen Jahresabschlusses 2021 optimistisch, dass sie für die Herausforderungen der kommenden Jahre gewappnet ist.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick finden Sie hier:
- Jahresrechnung 2021: Anhang
- Erfolgsrechnung nach Kostenart
- Erfolgsrechnung nach Kostenstelle
- Gesamtübersicht
- Gestufter Erfolgsausweis
- Saldenbilanz