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Hochwasserschutzprojekt Sichere Linth

Ausgangslage und Handlungsbedarf

Fast bordvolle Linth bei einem Hochwasserabfluss

Der heutige Linthlauf durch das Gemeindegebiet bietet uns keinen zuverlässigen Schutz vor grossen Hochwasserabflüssen. Die Problematik resp. die Ursache für die Gefährdung ist, dass der Linthlauf nicht genügend Wasser ableiten kann. Dieses Problem besteht nicht nur punktuell, sondern praktisch durchgehend vom Mühlefuhr bis zum Alpenbrüggli. Beim Alpenbrüggli befindet sich eine der markantesten hydraulischen Engstellen, die bei Hochwasser einen Rückstau bis weit in das Siedlungsgebiet verursacht. An den Brückendurchlässen besteht zudem die Gefahr von Verstopfungen durch Schwemmholz, was die Abflusskapazität im Ereignisfall weiter vermindern kann.

Die Hochwasser-Gefahrensituation und die bestehenden Risiken sind unbestritten. Das Ereignis im Jahr 2005 und verschiedene Fachgutachten in den letzten 20 Jahren haben die möglichen Gefahrenszenarien in Glarus und Ennenda wiederholt bestätigt. Es besteht zudem eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass im Zuge der Klimaveränderungen, Intensität und Häufigkeit von Starkniederschlägen und Hochwasserereignissen auch im Einzugsgebiet der Linth zunehmen werden. Bei einem 100-jährlichen Linthhochwasser hätten Ausuferungen und grossflächige Überschwemmungen im Siedlungsgebiet von Ennenda und Glarus enorme Schäden und Einschränkungen zur Folge. Auch Personenschäden wären bei einem solchen Ereignis nicht auszuschliessen. Die Gefahrenkarte zeigt, dass weit über 1'000 Grundstücke in Glarus und Ennenda durch Linth-Hochwasser gefährdet sind. Zahlreiche Grundstücke liegen sogar in blauen oder roten Gefahrengebieten.

Auf dem kantonalen Geportal sind Kartenprodukte zur Gefahrensituation sichtbar:

Die Gefahrenkarte der Linth zeigt die Gefahrengebiete in Ennenda und Glarus

Bei Grundstücken in den blauen und teilweise auch in den gelben Gefahrenzonen können baubewilligungspflichtige Vorhaben oftmals nur mit aufwendigen und teuren Objektschutzmassnahmen ausgeführt werden. In den roten Gefahrengebieten sind grössere bauliche Vorhaben grundsätzlich nicht bewilligungsfähig. Die Gefahrensituation resp. die behörden- und eigentümerverbindliche Gefahrenkarte hat somit eine hemmende Wirkung auf die bauliche Entwicklung innerhalb der Gefahrenzonen.

Die Lösung

Mit dem Hochwasserschutzprojekt wird eine «Sichere Linth» für die heutige Bevölkerung und die nächsten Generationen angestrebt. Die Bevölkerung und die Gebäude von Ennenda und Glarus sollen besser vor Hochwasser geschützt werden und die erheblichen Risiken verringert werden. Auf einer Länge von rund viereinhalb Kilometern sollen gebrauchstaugliche und zuverlässige Schutzmassnahmen umgesetzt werden.

Das Projekt sieht als Lösung eine Vergrösserung und Optimierung des Flussprofils vor. Die nachhaltigste Hochwasserschutz-Lösung ist eine durchgehende Sohlenabsenkung auf weiter Strecke innerhalb des bestehenden Flusslaufs. Die Flusssohle wird auf einer Länge von rund 4.5 km durchschnittlich um einen Meter abgesenkt. Der Hochwasserschutz kann aber nicht alleine durch die Sohlenabsenkung sichergestellt werden, weshalb eine Kombination mit der Umgestaltung der Ufer, verschiedenen Massnahmen neben der Linth (Mauern, Dämme, mobile Hochwasserschotten, Objektschutzmassnahmen) und diversen Begleitmassnahmen (Eliminierung von Schwachstellen, Anpassung Wehranlagen, Anpassung von Werkleitungen) vorgesehen ist.

Prinzip der Sohlenabsenkung:

Die Sohlenabsenkung in Kombination mit den Massnahmen neben der Linth führen zu einer deutlichen Erhöhung der Abflusskapazität. Eine Sohlenabsenkung ist jedoch nur dann nachhaltig, wenn die Flusssohle längerfristig auf dem tieferen Niveau gehalten werden kann. Die Ausbildung des Abflussprofils (insbesondere die Flussbreite) hängt somit wesentlich vom Verhalten des Flussgeschiebes (Mobilisierung, Transport und Ablagerung) ab. Das Verhalten der Sohle im Projektzustand muss mit vertieften flussbaulichen Analysen untersucht und nachgewiesen werden

Mit dem Hochwasserschutzprojekt soll die Linth auch als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen aufgewertet werden. Bei der Gestaltung des Gewässerraums werden deshalb auch attraktive Erholungsräume für die Bevölkerung und naturnah gestaltete Räume mit hohem ökologischen Wert geschaffen. Die möglichst naturnahe Gestaltung der Gewässer als Lebensraum ist eine gesetzliche Vorgabe (Bundesgesetz über den Wasserbau) für alle Wasserbauprojekte. Eine Hochwasserschutzlösung mit durchgehender «harter Bauweise» wäre weder subventionsberechtigt noch bewilligungsfähig.

Das Hochwasserschutzprojekt Sichere Linth ist ein notwendiges Grundlagenprojekt, dass massgeblich zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gemeinde beitragen wird.

Keine Alternativen zur Sohlenabsenkung:

Alternative realistische Lösungen für den Hochwasserschutz gibt es nicht. Bei einem Verzicht auf eine Sohlenabsenkung wäre der Hochwasserschutz nur durch die Erstellung von rund zwei bis drei Meter hohen und massiven Schutzdämmen und Mauern entlang der Linth sicherzustellen. Auch die Rückstauproblematik in den Vorflutern könnte nur mit sehr aufwendigen Anpassungen eliminiert werden. Die Abklärungen im Rahmen eines Vorprojekts in den Jahren 2007-09 haben ergeben, dass diese Variante aus verschiedenen Gründen (Raumbedarf, Auswirkungen auf das Ortsbild, starke Isolation der Linth vom Dorfgebiet, massive Erhöhung von Brücken, Anpassungen Werke, etc.) keine gebrauchstaugliche und kaum bewilligungsfähige Hochwasserschutzvariante darstellt.