Kolumne

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Engelsflügel oder Rentierschlitten?

Über das Leben und die Probleme des Weihnachtsmanns wissen wir alle ganz gut Bescheid. Was für ein Leben das Christkind führt - das ist jedoch ein wenig unklarer.

Von Sirkka Marti

Wo der Weihnachtsmann wohnt, ist kein grosses Geheimnis: am Nordpol oder auch in Kanada, Finnland oder Schweden. Auf jeden Fall irgendwo an einem abgeschiedenen Ort, an dem es kalt ist und im Winter viel Schnee liegt.
Beim Christkind ist das um einiges schwieriger. Die offizielle Adresse ist «Im Himmel», aber sich das Ganze vorzustellen, ist gar nicht so einfach. Der Weihnachtshimmel ist ziemlich schwer fassbar und sein Verhältnis zum «normalen» Himmel bleibt geheim. Insgesamt umgibt das Christkind etwas Geheimnisvolles: Wie gelangt es in die Häuser, wie reist es und wie trägt es die Geschenke mit sich? Auf alle diese Fragen gibt es keine eindeutige Antwort. Oft stellt man sich das Christkind fliegend vor, manchmal reitet es auf einem weissen Pferd, in anderen Geschichten geht es zu Fuss. Selbst ob es sich beim Christkind um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, ist nicht so ganz klar.
Aber vielleicht ist das alles ja gar nicht so wichtig. Gerade diese geheimnisvolle Aura verleiht dem Christkind und Weihnachten einen besonderen, schwer fassbaren Reiz.
Beim Weihnachtsmann ist das ganz anders. Durch Geschichten, Filme und Bücher weiss man ganz genau, mit was für Problemen er sich auseinandersetzen muss. Mal will irgendjemand die Weihnachtsvorbereitungen sabotieren, dann sind die Rentiere krank, ein Wunschzettel geht verloren und Nebel und Schneestürme behindern das Ausliefern der Geschenke. Man ist sich einigermassen einig, dass es, wo auch immer der Weihnachtsmann wohnt, eine Poststelle, einen Rentierstall, Werkstätten und Wohnhäuser geben muss.
Im Gegensatz zum überirdischen Christkind wirken der Weihnachtsmann und seine Helfer nämlich sehr menschlich und brauchen dementsprechend Arbeits- und Schlafplätze. Ausserdem haben sie Familie, Freunde und manchmal auch Feinde.
Die Interpretationen dieser Weihnachtswelt gehen vom idyllischen Dorfleben über hoch technisierte Betriebe bis zu Varianten, die man am Rande des Kitschigen verorten muss.
Die fieberhaften Vorbereitungen der Helfer des Weihnachtsmannes spiegeln in gewisser Weise die terminüberladenen Adventstage der Menschen wider. Denn so schön und besinnlich der Advent theoretisch ist, praktisch ist er nun mal voller Weihnachtsessen, Konzerten und Prüfungen. Es ist eine hektische und gleichzeitig besondere Zeit. Ob dann Ende Dezember der Weihnachtsmann oder das Christkind Gabenbringer spielt, ist Geschmackssache. Schlussendlich sind sie beide ja Teil derselben Tradition: Sie sollen erklären, wie genau die Geschenke unter den Christbaum gelangen. In diesem Sinne eine frohe Adventszeit und ein gutes neues Jahr!


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