Persönlich

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Einsatz hinter Gittern

Aus dem Bündnerland ins Glarnerland ins Gefängnis: Die Ärztin Christa Geissmann hat einen Beruf, der anders und doch «normal» ist.

Von Beate Pfeifer

Einmal in der Woche muss Christa Geissmann ins Gefängnis. Nicht weil sie etwas verbrochen hat, sondern weil sie und ihre Kollegen von der Ärzte Netstal AG Anfang dieses Jahres die Betreuung der Gefängnisinsassen in Glarus übernommen haben. Sie habe diese Einsätze schon in den letzten acht Jahren im regionalen hausärztlichen Notfalldienst übernommen. «Das ist immer sehr positiv verlaufen», sagt Geissmann. Sie habe nie Angst verspürt und habe immer ein sicheres Gefühl gehabt. Natürlich sei alles verriegelt und überwacht, aber sonst sei ihre Tätigkeit im Gefängnis nicht viel anders als die Arbeit in der Praxis in Netstal.
Ein spontaner Arztbesuch ist allerdings für die Inhaftierten nicht möglich, es sei denn, ein liegt ein dringlicher Grund vor. Für die Wochenvisite müssen sie sich einen Tag vorher anmelden. «Manche Patienten kommen jede Woche», sagt sie, und: «Sie sind froh, dass ich ihnen helfe. Dass die Patienten überwiegend Männer sind, ist erstaunlicherweise kein Problem.» Die Patienten werden jeweils vom Gefängnispersonal in Geissmanns Untersuchungszimmer gebracht und nach der medizinischen Versorgung wieder abgeholt. Ob die Tür während der Behandlung offen oder geschlossen sein soll, entscheidet die Ärztin allein und von Fall zu Fall. Die Beschwerden der Inhaftierten seien die gleichen, die auch andere Menschen plagen. Allerdings häufen sich bestimmte Leiden, wie beispielsweise Schlafstörungen und psychische Beschwerden aufgrund des Eingesperrtseins, und der Anteil von Patienten mit einer Suchtproblematik sei höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.
Die Arbeit als Ärztin macht Christa Geissmann viel Freude, ganz gleich ob im Gefängnis oder ausserhalb. «Der Beruf ist spannend und abwechslungsreich, denn jeder Mensch ist anders und  jede Erkrankung ist anders», so die Ärztin. «Besonders gerne nähe ich Wunden», verrät sie noch mit einem Schmunzeln.
Christa Geissmann stammt ursprünglich aus Graubünden, wie auch ihr Mann. Wegen der Jobs kamen beide 2011 ins Glarnerland, im gleichen Jahr, in dem auch das Erste ihrer Kinder auf die Welt kam. «Ursprünglich wollten wir nur fünf Jahre bleiben», erinnert sie sich. Aber ihr gefielen die Menschen und die gesamte Gegend. Die Berge und die Seen seien ideal für vielfältige Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise Velofahren. «Und mir gefällt das Schulsystem», so die dreifache Mutter, die momentan im Teilzeitpensum arbeitet.
Geissmann geniesst sowohl ihr Leben mit der Familie als auch ihren abwechslungsreichen Beruf und hofft, dass sie auch in Zukunft weiterhin so ein schönes Leben führen darf.

 

Persönlich

Vorname, Name
Christa Geissmann
Alter, Sternzeichen
38, Waage
Wohnort
Mollis
Beruf
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Weiterbildung in manueller Medizin und Triggerpunkttherapie, Gefängnisärztin
Interessen und Hobbys
Lesen, Velofahren, Garten, Natur generell
Liebster Ort im Kanton
Walensee
Lieblingsessen
Piccata
Lieblingsmusik
Klaviermusik, Klassisch und Pop
Grösstes Anliegen
Gegenseitiger Respekt und gegenseitiges Wohlwollen im nahen und im entfernten Umgang

 

 

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