Interview

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Ein Schwert und noch viel mehr

Das Anna Göldi Museum startet mit zahlreichen Attraktionen in die neue Saison. Teil davon ist das Original-Schwert, mit dem Anna Göldi hingerichtet wurde.

Von Beate Pfeifer

Fridolin Elmer, das Anna Göldi Museum war über den Winter geschlossen, haben Sie sich gelangweilt?
Nein, ich hatte kaum eine ruhige Minute. Jetzt freue ich mich riesig, dass das Museum wieder aufgeht und wir ein tolles Programm mit vielen Highlights präsentieren können.

Welche Highlights sind das?
Fangen wir mit den Ausstellungen an. Die renommierte deutsche Fotografin Bettina Flitner – übrigens die Partnerin der bekannten Frauenrechtlerin Alice Schwarzer – hat in «Hexenjagd in Papua Neuguinea» eine Schweizer Ordensschwester porträtiert, die sich um die Opfer von Hexenverbrennungen kümmert, die Frauen vor dem Verbrennen rettet. Es ist doch verrückt, es gibt dort heute mehr Hexenverbrennungen als früher.

Das ist schwer zu glauben.
Die Menschen in Papua Neuguinea sind plötzlich mit westlicher Kultur konfrontiert. Sie haben Handys und konsumieren Pornos. Das ist ein regelrechter Kulturschock und in der Folge gibt es mehr Gewalt – auch gegen Frauen. Schwester Lorena hat sich Autorität erarbeitet, kann auch Stammesfehden schlichten. Und sie wird persönlich im Oktober von  ihrem Engagement berichten.

Welche Ausstellungen gibt es noch?
Den Auftakt macht «Schweigen Punkt», eine Installation um Diskriminierung und Gewalt von Franziska Greber. Sie ist Künstlerin und Psychologin und engagiert sich sehr stark für Frauenrechte.
In der dritten Ausstellung geht es um das Volk der Jenischen und Sinti. Das passt gut zu uns, weil wir auch Minderheiten einen Platz geben wollen. Es spricht sich langsam herum, dass wir ein guter Ort für Ausstellungen sind. Wir hätten mehr Ausstellungen umsetzen können und ich habe für 2020 schon ein paar Eisen im Feuer.

Bleiben wir bei 2019. Insgesamt elf Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Welches sind Ihre Favoriten?
Ich freue mich sehr auf Peter Maurer, den Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes. Im Rahmen von «Schweigen Punkt» wird er das Thema Krieg und sexuelle Gewalt aufgreifen. Er ist häufig in Konfliktgebieten weltweit unterwegs und es ist schon etwas Besonderes, dass er zu uns ins Museum kommt. Aber ich will die anderen Veranstaltungen nicht mindern. Ich freue mich wirklich auf alle Anlässe.

Am 6. April wird das historische Richtschwert, mit dem Anna Göldi hingerichtet wurde, im Museum sein.
Verschiedene Historiker haben das Schwert begutachtet und sind zum Schluss gekommen, dass es das Originalschwert ist. Guido Varesi vom Henkermuseum Sissach wird es zu den beiden Referaten zu Anna Göldis Scharfrichtern mitbringen. Da wird unter anderem der Job des Scharfrichters erklärt. Wenn sie nämlich mehrfach zuschlagen mussten, um ein Urteil zu vollstrecken, sind sie teilweise gesteinigt worden, weil sie ihren Job nicht gut gemacht haben.

Was gibt es für das junge Publikum?
Wir haben ein Angebot für Gruppen und Schulklassen. Die Bildungsdirektion hat digital sehr umfassende Unterrichtsmaterialien zu Anna Göldi und anderen Themen zusammengestellt. Die Kinder können Aufgaben lösen, ein Hörspiel anhören, es gibt diverse Verknüpfungen zu Menschenrechten und Amnesty International. Das ist topgut gemacht, da muss ich der Bildungsdirektion ein «Chränzli» winden. Ihr ist wichtig, dass die Schüler auch ausserhalb des Klassenzimmers arbeiten. Wir haben im Museum zehn Tablets mit sogenannten Actionbonds, wo aktiv und digital Aufgaben gelöst werden können. Als Museum kann man heute nicht mehr nur ein paar Gegenstände zeigen und das wars dann.

Ab 3. April ist das Anna Göldi Museum wieder geöffnet. Erste Veranstaltung «Anna Göldis Scharfrichter» am 6. April und 10.30 Uhr. Weitere Informationen unter www.annagoeldimuseum.ch

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