Rubrik: Persönlich

Persönlich

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Bergbäuerin aus Deutschland

Schon immer war Katharina Rhyner gerne in der Natur und mit Tieren zusammen. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und hat später einen Sommer in Elm verbracht. Nie hätte sie gedacht, dass jener Sommer ihr ganzes weiteres Leben bestimmen würde.

Von Barbara Bäuerle

Als Katharina, damals noch Richter zum Nachnamen, im Sommer 2015 als Älplerin auf die Alp Ämpächli nach Elm kam, hätte niemand – und sie wohl am wenigsten – damit gerechnet, dass sie nur drei Jahre später mit ihrem Mann Jörg und zwei Kleinkindern einen Bergbauernbetrieb mit Alp führt.
Der – für Deutschland mit rund 1500 Einwohnern kleine – Ort Niedercunnersdorf liegt in Sachsen auf rund 350 Metern über Meer. Hier verbrachte Katharina als mittlere von drei Geschwistern ihre Kindheit. Obwohl sie als Tochter eines LKW-Fahrers und einer Kindergärtnerin keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft hatte, zeichnete sich ihre Liebe zur Natur und den Tieren früh ab. «Wir haben immer draussen gespielt, direkt hinter unserem Haus war der Wald und ein Bach, wo wir stundenlang verweilen konnten», erinnert sie sich. Durch eine Freundin, deren Eltern Tiere hielten, entdeckte sie ihr Interesse an Tieren und der Landwirtschaft. So kam es, dass sie nach der Grundschule und dem Gymnasium ein freiwilliges ökologisches Jahr machte – eine Art Zwischenjahr, um Erfahrungen zu sammeln, welches man in Deutschland sowohl im ökologischen als im sozialen Bereich absolvieren kann. In dieser Zeit, mit gerade 18 Jahren, verbrachte sie einige Monate auf einer Ziegenalm und danach ein halbes Jahr in Norwegen auf einem Milchviehbetrieb. Auch direkt nach dem Studium in ökologischer Landwirtschaft, welches sie von 2010 bis 2014 absolvierte, zog es die Tierliebhaberin in die Natur; sie verbrachte einen Sommer auf einer Ziegenalp im Wallis. Zusammen mit einer Freundin war sie für einhundert Milchziegen, zwanzig Gitzis, drei Schweine und die Herstellung und Pflege von Ziegenkäse zuständig. «Das war eine richtig urchige Alp, ohne Strom und Warmwasser», so Kathi, wie sie auch genannt wird.
Als ihre Freundin, mit der sie zusammen z‘Alp ging, die Stelle in Elm für den Sommer 2015 dingfest machte, reiste die weltoffene Deutsche gerade durch England – wo sie unter anderem auf einem grossen Schafbetrieb während der Lammzeit in Schichtarbeit arbeitete, bevor sie später noch nach Schottland und per Fähre zurück nach Hause fuhr.
Und dann kam der Sommer, der ihr Leben für immer veränderte. Zwischen Alpleiter und Chef Jörg Rhyner und der Käserin entwickelte sich im Verlaufe der Alpzeit mehr. Dass es Töchterchen Klara aber so eilig haben würde, wussten sie beide im Herbst beim Entscheid, den nächsten Alpsommer wieder gemeinsam zu verbringen, noch nicht. «Ich hatte gerade eine Reise nach Ecuador gebucht, als ich merkte, dass ich schwanger war», erinnert sich die mittlerweile zweifache Mutter lächelnd. So kam es, dass Kathi an Weihnachten vor drei Jahren zu Jörg in die Schweiz, auf seinen elterlichen Betrieb im Weiler «Wald» – rund vier Kilometer vom Dorfkern Elm gelegen – zog.
Im Juni 2016 kam Töchterchen Klara zur Welt, nach einer kurzen Zeit zu Hause verbrachte das Baby schon seine ersten Lebensmonate auf der Alp. Im März dieses Jahres kam der jüngere Bruder Albert dazu. Im Sommer betreut die Familie nebst den 40 Kühen und der Käserei auch eine Rinderherde. «Das geht ganz gut, wir haben die Arbeiten gut aufgeteilt», sagt die tatkräftige Frau. Gemeinsam mit Jörgs jüngerem Bruder, seiner Freundin und deren im Oktober geborenen Sohn werden sie die Alp auch im kommenden Sommer als Familienbetrieb bewirtschaften.
Seit Mai sind Katharina und Jörg verheiratet, den Bergbauernbetrieb, der direkt unter ihrer Alp liegt, führen sie ebenfalls seit diesem Jahr selber. «Wir möchten den Betrieb gerne vergrössern, damit die Familie davon leben kann», blickt sie in die Zukunft. Während der Schwiegervater die Kühe versorgt, arbeitet ihr Mann in den Wintermonaten als Automatiker. «Jeden Abend, wenn er heimkommt, übernimmt er die Betreuung der Kinder und ich mache mich auf zum oberen Stall, um die Rinder zu versorgen.» Diese Arbeit nebst dem Haushalt und den Kindern zu machen, sei für sie ein wichtiger Ausgleich.
Auf die Frage, wie es denn sei, als junge Frau von Deutschland in die Schweiz zu kommen und nun als Mutter und Bergbäuerin zu leben, meint die 27-Jährige: «Anfangs war es schon schwierig und ich hatte etwas Heimweh.» Denn in 800 Kilometern Distanz zu ihrer Heimat, der Arbeit und der völlig veränderten landschaftlichen Situation (vom hügeligen Sachsen ins bergige Glarnerland) fing sie im Wald ein ganz neues Leben an. «Aber jetzt bin ich angekommen und glücklich.»

 

Persönliches

Vorname, Name
Katharina Rhyner, geborene Richter
Alter, Sternzeichen
27, Steinbock
Wohnort
Elm
Beruf
Studium Ökologische Landwirtschaft und Vermarktung in Deutschland abgeschlossen, Landwirtin, Hausfrau und Mutter
Interessen und Hobbys
Malen, Landwirtschaft und Tiere, Garten
Liebster Ort im Kanton und in der Welt
Mettmenalp und Wildmadsee
Lieblingsessen
Fruchtkuchen
Lieblingsmusik
Alte Rockmusik, Neil Young
Grösstes Anliegen
Nachhaltiges Leben, Gesundheit und Zufriedenheit

 

 

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