Rubrik: Interview

Interview

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Frischer Wind im Holästei

Das Geschwisterpaar Rebecca und Jonas Leuzinger hat im Oktober die Geschäftsleitung des Kulturzentrums Holästei übernommen. Was jetzt alles anders und neu wird, erklären die beiden im Interview.

Von Beate Pfeifer

Wenn ihr euch alles wünschen könntet – wie sähe dann der Holästei in ein paar Jahren aus?
Jonas: Dann haben wir in ein paar Jahren eine Dachterrasse (lacht) und einen fixen Aussenbereich. Und wir haben jeden Samstag einen Anlass, der in eine unserer Reihen passt.

Was meinst du mit Reihen?
Jonas: Im Glarnerland gibt es viele kleinere Zielgruppen, Leute, die Rap hören, zum Beispiel, oder Techno oder Jazz oder Hip-Hop. In Zürich kannst du einen Techno-Club betreiben, weil es genügend Leute gibt, die den Club jede Woche besuchen. Im Glarnerland funktioniert das nicht. Damit wir aber all die verschiedenen Zielgruppen bedienen können, wollen wir regelmässige Reihen, also Partylabels, im Holästei haben. Wir sagen dann, wir haben fix einmal im Monat Techno. Das Gleiche machen wir mit weiteren Zielgruppen, wie Hip-Hop, Rock oder Trap.

Was bitte ist Trap?
Rebecca: Trap ist der neue Rap.
Jonas: In unserer Trap-Reihe holen wir die neuesten Entwicklungen im Rap ab, den Techno-Rap.
Rebecca: Noch gibt es keine Trap-Partys im Kanton. Das wird etwas ganz Neues sein. Am Freitag, 11. Januar, startet unsere Trap-Reihe, und am 12. Januar startet die Techno-Reihe.

Was wird sich in diesem Jahr noch alles ändern im Holästei?
Rebecca: Ganz konkret wollen wir Kontinuität ins Programm und ins Glarner Nachtleben bringen. Bisher ist es so gewesen, dass der Holästei am Wochenende teilweise gar nicht offen war. Das soll jetzt anders werden. Wir wollen sicher jeden Samstag und jeden Donnerstag offen haben. Die Freitage sind optional. Diese Kontinuität wollen wir auch durch die Partyreihen schaffen.
Jonas: Es wird künftig auch mehr Eigenveranstaltungen geben, also Veranstaltungen, die wir selbst organisieren. Früher haben häufiger Fremdveranstaltungen stattgefunden. Neu soll das Verhältnis etwa 50:50 betragen. Fremdveranstaltungen sind aber weiter willkommen. Jeder, der eine Party machen will, soll sich bei uns melden.

Gibt es noch mehr Neuerungen?
Jonas: Wir haben wieder angefangen, mit Flyern und Plakaten zu werben. Und wir schauen, dass wir Leute finden, die auf der Strasse für uns werben. Wir sind dabei, dem Holästei wieder eine Stimme zu geben, ihn wieder bei den Leuten präsent zu machen.
Rebecca: Bar-technisch wollen wir vom Einwegplastik wegkommen. Nun suchen wir Sponsoren, die uns helfen, auf Mehrwegplastik umzustellen, weil Glas im Nachtclubbetrieb nicht das Richtige ist.

Wer ist eure Zielgruppe?
Jonas: Die Hauptzielgruppe sind die 16- bis 30-Jährigen, also die Leute, die noch aktiv in den Ausgang gehen.
Rebecca: Aber wir wollen nicht nur Ausgangslokal oder Nachtclub sein, sondern auch Kulturanbieter. Darum haben wir auch so ein breites Spektrum an Veranstaltungen. Beispielsweise arbeiten wir mit dem VfmB, dem Verein für musikalische Begeisterung, oder mit dem Komithee führ Müsick zusammen, deren Zielgruppe einen Altersdurchschnitt von etwa 50 Jahren hat. Solche Leute sind genauso erwünscht wie an den Spielabenden am Donnerstag die 16-bis 30-Jährigen. Gerne würden wir auch mit dem Verein Ghörgang was aufziehen.

Wie viel Zeit investiert ihr in die Organisation des Holästei?
Rebecca: Wir sind beide vollzeitbeschäftigt und teilen uns die Geschäftsleitung. Ich bin für die Finanzen, das Marketing und die Bar zuständig, Jonas für Technik, Programm und das Booking.
Jonas: Seit 2012 hat es viele verschiedene Ressorts und entsprechend viele Mitarbeitende gegeben. Das reicht von der Aufteilung der Geschäftsführung auf teilweise mehr als vier Personen über eine Putzfrau bis zu separaten Technik-Verantwortlichen. Dass es uns nun ermöglicht wurde, zu zweit alle diese Bereiche zu übernehmen, bringt natürlich grosse Arbeit und Verantwortung mit sich, aber erlaubt auch eine gesamtheitlichere Übersicht, effizientere Kommunikation und Koordination. Wir sind überzeugt davon, dass es eine grosse Chance für den Holästei ist, dass wir alles selbst machen können und jeden Event aus allen möglichen Perspektiven kennen.

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