Persönlich

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Es ist immer eine Frage der Balance

Die Familie Deplazes wohnt in Mollis und besteht aus zwei Kindern und zwei teilzeitarbeitenden Elternteilen. Dank viel Organisation und Kommunikation kann Silvia Deplazes ihr Leben so leben, wie viele Frauen sich wünschen würden.

Von Angelika Tanner

Silvia Deplazes sitzt entspannt am Esstisch, eine Tasse Tee in der Hand. Neben ihr sitzt ihr Sohn und spielt mit Legosteinen, heute Morgen muss er nicht in den Kindergarten. Ihre Tochter ist momentan in der Schule. Mit ihren beiden Kindern redet Deplazes Romanisch, da sie selber in Graubünden aufgewachsen ist. Nach vielen Jahren in Zürich zog sie vor Kurzem ins Glarnerland.
Wenn sie zu Hause sei, lasse sie sich voll und ganz auf ihre beiden Kinder ein, erzählt sie weiter. Ihre Arbeitskollegen rufen nur an, wenn etwas wirklich dringend ist – was sehr selten vorkommt. Zu Hause müsse die Arbeit im Hintergrund sein, sagt Deplazes. Zumindest wenn die Kinder zu Hause und wach seien. «Im Vertrauen darauf, dass das Team alles im Griff hat.» Es sei deshalb wichtig, loslassen zu können. Wenn sie arbeitet, schmeisst ihr Partner den Haushalt und ist für die Kinder da. «Wer zu Hause ist, hat die Verantwortung und regelt alles, was gerade anfällt.» Loslassen kann Deplazes gut, da sie Vertrauen hat in ihr Team bei der Arbeit und in ihren Partner zu Hause in Mollis.
Die 42-Jährige ist froh, dass sie und ihr Partner beide Teilzeit arbeiten können. Nach dem Studium zu Hause zu bleiben, sei verlorenes Potenzial. Und so haben beide Zeit für die Kinder. Es sei vieles eine Frage von Organisation und Kommunikation. Ausserdem könnten sich sie und ihr Partner immer ineinander hineinversetzen, wenn der Tag einmal nicht so gut gelaufen sei.
Für ihre Studentinnen und Studenten ist Deplazes ein Vorbild: Sie hat es geschafft, ein erfülltes Berufs- und Familienleben zu vereinen. Es ist ihr ein Anliegen, dass die Frauen, die arbeiten wollen, auch die Möglichkeit dazu haben. Dies halte natürlich immer wieder Herausforderungen bereit, wendet sie ein. Sie erinnert sich noch an ihre Doktorarbeit in Psychologie: In dieser Zeit kamen ihre Kinder auf die Welt und besonders in der Endphase ihrer Arbeit sei sie deshalb am Ende ihrer Kräfte gewesen. Trotzdem: «Es geht immer um die Balance», da ist sie überzeugt. Manchmal sei die Waage einseitig beschwert, aber das Ziel sei immer, die Balance zu finden.
Momentan arbeitet Deplazes in Zürich an der ZHAW, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Sie ist Co-Leiterin der Fachgruppe «Diagnostik und Beratung» am Psychologischen Institut. Sie hält Vorlesungen, arbeitet an Forschungsprojekten und betreut Bachelor- und Masterarbeiten. Vor allem Beratung hat sie schon immer fasziniert. Ihr gefällt, dass dieser Themenbereich sehr praxisorientiert ist. Sie möchte einen Beitrag leisten und «der Gesellschaft etwas zurückgeben».
Und sie ist noch lange nicht fertig. «Jeden Tag lerne ich Neues dazu.» Sie wolle nicht aufhören zu lernen. Ab dem nächsten Sommer arbeitet die Bündnerin als Leiterin der Abteilung Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR). «Nach zehn Jahren bei der ZHAW ist es Zeit für etwas Neues.»
Vor gut drei Jahren sind sie und ihr Partner ins Glarnerland gezogen. In Mollis entdeckten sie ihr «Traumhaus», mit Blick auf den Glärnisch von der Terrasse. Es sei ausserdem nicht zu städtisch und nicht zu weit weg von ihrem derzeitigen Arbeitsplatz in Zürich. Deplazes gefallen die Berge und die Natur. In ihrer Freizeit verbringt sie sehr gerne Zeit draussen. Oft unternimmt sie mit ihrer Familie Velotouren. «Es hat hier fantastische Velowege und Glarus selber ist ebenfalls toll.» Während der Ferien merkt sie, wie gut sie wirklich loslassen kann: «Dann habe ich mein Handy manchmal mehrere Tage lang nicht eingeschaltet, ohne dass es mir bewusst ist.»

 

Persönliches

Vorname, Name
Silvia Deplazes
Alter, Sternzeichen
42, Waage
Wohnort
Mollis
Beruf
Psychologin und Professorin für Diagnostik und Beratung
Interessen und Hobbys
draussen sein; Wandern, Telemarken, Veloreisen, Reisen
Liebster Ort im Kanton und in der Welt
Viele, von der Terrasse in Mollis mit Blick auf den Glärnisch über Sagogn, die Schären vor Stockholm bis nach Mustang in Nepal
Lieblingsessen
indisch-nepalisch
Lieblingsmusik
Pippo Pollina, Mattiu Defuns
Grösstes Anliegen
Etwas Positives auf dieser Welt beitragen, wenn auch nur kleine Dinge

 

 

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