Rubrik: Interview

Interview

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Ab aufs Bänkli

UBS-Glarus-Bankdirektor Renato Micheroli sitzt gerne auf einer Bank - sowohl auf einem Bänkli als auch bei der UBS. Und sein persönliches Bankgeheimnis ist eher eine Philosophie...

Von Tina Wintle

Renato Micheroli, sitzen Sie gerne auf einer Bank?
Wenn ich auf einer Bank sitzen kann, hat das für mich mit Ruhe zu tun. Sich setzen, sich Zeit nehmen, nach vorne schauen, Gedanken ordnen. Ich habe auch bei mir im Garten ein Bänkli, dort sitze ich sehr gerne, um in Ruhe zu sein.

Vertragen Sie diese Ruhe überhaupt?
Man sagt von mir, ich sei vom Typ her wach und lebendig. Das stimmt schon so. Ich bin aber auch älter geworden und habe gemerkt, dass ich diese Ruhe jetzt ganz gerne habe und auch geniessen kann. Nicht, dass ich sie nun pausenlos bräuchte, aber nach einer strengen Woche ist es schön, sich hinzusetzen und nichts zu tun.

Und auf Ihrer Bank, der UBS Glarus, sitzen Sie da auch gerne?
Ja natürlich! Wenn man 26 Jahre beim gleichen Arbeitgeber tätig sein darf, dann wäre es ein schlechtes Zeichen, nicht gerne dort zu sein. Die UBS hat mir als Arbeitgeber viel ermöglicht, zum Beispiel einen dreimonatigen Sabbatical, den ich mit meiner Familie in Australien verbrachte. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, auf der Bank und insbesondere für die UBS zu arbeiten.

Wie sind Sie auf die Bank gekommen?
Nach der Matura in Glarus hatte ich erst einmal keinen Plan. Fussball war damals meine Hauptbeschäftigung. Ich durfte ja auch ein Jahr lang beim FC Zürich spielen. Nach einigen Semestern BWL-Studium merkte ich, dass das nicht das Richtige für mich ist, und brach ab. Meine Mutter meinte, dass Fussball nicht das Einzige in meinem Leben sein könne, und so wurde ich auf das zweijährige Allround-Praktikum, das die UBS für Maturanden anbietet, aufmerksam. Zwei Jahre verbrachte ich anschliessend in Zürich beim damaligen Bankverein. Das Bank-Praktikum war die Initialzündung für meine Bankkarriere.

Warum sind Sie ins Glarnerland zurückgekehrt?
Ich habe nach dem Praktikum sechs Jahre lang in Zürich am Paradeplatz gearbeitet. Ich habe während dieser Zeit nie in Zürich gewohnt, sondern bin als Heimwehglarner immer hin- und hergependelt. 1997 kam ich nach Glarus zurück, um für die UBS das Firmen-Portfolio zu übernehmen. 2003 übernahm ich die Leitung der Geschäftsstelle Glarus.

Sie haben einen Sohn in einem Alter, wo es darum geht, sich für einen Beruf zu entscheiden. Was raten Sie ihm?
Mein Sohn hatte immer schon ein anderes berufliches Ziel, die Bank war also nie ein Thema, über das ich mit ihm hätte sinnieren müssen.

Die UBS beschäftigt weltweit 60 000 Menschen. Was ist das für ein Berufsalltag, für einen der grössten Vermögensverwalter der Welt zu arbeiten?
Wir versuchen in unserem Bankalltag bei der UBS Glarus, als Regionalbanker aufzutreten. Wenn es uns gelingt dieses Image, gepaart mit den Stärken und Kompetenzen eines international tätigen Konzerns, gescheit auf die Reihe zu kriegen, ist das eine riesige Chance. Für mich ist wichtig, was in der regionalen Struktur passiert, das ist mein Job und unser Fokus.

Die UBS ist nicht skandalfrei. Sie sorgt regelmässig für negative Schlagzeilen. Wie gehen Sie damit um?
In den letzten drei Jahren waren wir aber nicht mehr negativ in den Schlagzeilen! Während der Finanzkrise sind Fehler gemacht worden, und während dieser Zeit war es für mich wichtig, nahe an den Kunden zu bleiben und das Positive herauszustreichen. Es war eine Zeit, die mich viel Kraft gekostet und viel von mir als Führungsperson abverlangt hat. Wir wurden damals für etwas kritisiert, wofür wir in Glarus beim besten Willen nichts konnten.

Es gab frontale Kritik während der Finanzkrise?
Ja, die gab es. Ich verstehe die Leute schon, die Geld verloren haben und in die Bank kamen und gesagt haben, es sei das Letzte, was wir hier tun. Wir haben diese Leute ernst genommen. Schlussendlich ist es unser Arbeitgeber, der Fehler gemacht hat, und wir als Arbeitnehmer identifizieren uns mit ihm, in guten wie in schlechten Zeiten.

Was sind Sie für ein Chef?
Da müssen Sie meine 12 Mitarbeiter fragen! Ich selber schätze mich als Chef ein, der nicht viel von Hierarchien hält. Ich finde Loyalität ein wichtiges Stichwort, wenn es um Führung geht. Loyalität hat für mich mit Persönlichkeit zu tun und nicht mit Rang oder Position. Zu viele Richtlinien und Vorschriften empfinde ich als hemmend für die Kreativität. Ein guter Chef führt meiner Meinung nach situativ.

Was kommt als Nächstes in der Karriere eines Bankdirektors? Es kann ja keinen Aufstieg mehr geben, nur noch den Abstieg.
Ich mache mir nicht so viele Gedanken darüber. Ich habe in meinem Leben noch nie meine Karriere durchgeplant. Wenn etwas beruflich Neues an mich herangetragen wird, wäre es fahrlässig, das nicht anzuschauen. Ich suche aber nicht aktiv nach neuen Herausforderungen, ich bin einfach offen. Man muss heutzutage offen und flexibel sein, was das Arbeitsmodell, den Arbeitsort sowie auch die Arbeit selber betrifft. Die One-Way-Mentalität gibt es heute nicht mehr, man muss breiter und offener denken.

Was ist Ihre beste Leistung bisher im Leben?
Privat oder beruflich?

Wie Sie wollen.
Meine beste Leistung ist meine Familie, also meine Frau und mein Sohn. Meine Frau und ich haben dieses Jahr unser 20-Jahr-Hochzeitsjubiläum gefeiert. Da sind wir stolz darauf, das ist eine Leistung.

Und die schlechteste Leistung?
Das ist ja das Gute am Wesen des Menschen, die schlechten Erfahrungen und Erinnerungen werden nach einer Weile praktischerweise einfach ausgeblendet …

Wofür geben Sie gerne viel Geld aus?
Da ich kein IT- und auch kein Modefreak bin, gebe ich nicht viel Geld dafür aus. Ich liebe schöne Ferien und Erlebnisse in der Freizeit, da lassen wir es uns gut gehen.

Sonst nichts? Was fahren Sie denn für ein Auto?
Ich fahre einen BMW, und ich habe gerne schöne Autos, welcher Mann nicht. Und ja, für gutes Essen und guten Wein gebe ich auch gerne Geld aus.

Spielen Sie noch Fussball?
Nein. Aber ich trainiere eine Juniorenmannschaft in Glarus und gebe so meine Erfahrungen an die Jungen weiter.

Was ist Ihr Bankgeheimnis?
Mein Bänkligeheimnis ist weniger ein Geheimnis, sondern vielmehr eine Philosophie: Behandle Leute, wie du behandelt werden möchtest, und dann kommt es gut.

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