Rubrik: Kolumne

Kolumne

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Apfelmus und Kürbislaternen

Der Herbst naht - und mit ihm auch Halloween. Nur wenige wissen, woher der Brauch, sich am Tag vor Allerheiligen zu verkleiden, wirklich kommt.

Von Sirkka Marti

Dieses Jahr gab es schon unglaubliche viele Früchte, Gemüse und Beeren zu einer Zeit, als die meisten eigentlich noch gar nicht an den Herbst dachten.
Einmachgläser waren bisweilen schon Anfang September ausverkauft, denn die Läden rechnen mit so einer grossen Nachfrage erst später im Jahr. Die Natur richtet sich nun mal nicht nach den Nachfragetrends der Vorjahre, sondern einzig und allein nach ihrer Laune. Um den überreichen Segen angemessen wertschätzen zu können, braucht es dieses Jahr aber manchmal Nerven: Die vielen Früchte wollen angemessen gepflückt und eingelagert werden. Da es in gewissen Gärten aber so viele sind, hat man Mühe, der schieren Menge gerecht zu werden. So schön es doch ist, selbst gezogene Äpfel und Kürbisse zu verarbeiten, spätestens nach der sechsten Serie Apfelmus erledigt man die Arbeit nicht mehr ganz so enthusiastisch.
Neben Äpfeln, Birnen und Beeren sind im Herbst auch die Kürbisse reif. Wenn man sie auch nicht im eigenen Garten zieht, sind sie doch in Läden und als Dekoration allgegenwärtig. Meist stehen sie wie farbige Blätter, Igel und Winddrachen für den Herbst mit seinen Veränderungen, seinem Wind und den Vorbereitungen für den Winter. Zusammen mit der Chilbi, den kühler werdenden, aber goldenen Tagen, dem Morgennebel und den wärmeren Jacken gehören sie ganz einfach zu dieser Jahreszeit dazu. Kürbisse sind in der Küche vielseitig einsetzbar, und nicht zuletzt lassen sich daraus schöne Laternen schnitzen. Auch wenn man Halloween nicht speziell feiert, macht es insbesondere zusammen mit Kindern ganz einfach Spass, lustige oder auch ein wenig gruselige Gesichter in Kürbisse zu schnitzen.
Kürbislaternen sind eng mit Halloween verbunden, einem wohl ursprünglich irischen Fest, von dem man sich dachte, dass in jener Nacht die Grenze zwischen Dies-und Jenseits verwischt. Die unheimlichen Laternen sollten böse Geister von den Häusern der Menschen fernhalten. In Nordamerika ging dieser irische Brauch dann ganz eigene Wege und schwappte in einer eher kommerziell geprägten Welle nach Europa zurück.
Das Problem ist, dass es in Nordamerika eine Art «Halloween-Verhaltenscodex» gibt, ungeschriebene Regeln, an die man sich mehr oder weniger hält, während in Europa in jener Nacht einfach eine Menge Unsinn angestellt wird. Eigentlich schade, denn in Nordamerika ist das Klingeln und Durch-die-Strassen-Ziehen den Kindern vorbehalten, und diese kleinen Gestalten, die durch Nacht und Nebel wandern, sind nun wirklich nicht zum Fürchten.

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