Interview

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Von Forschern und Künstlern

Mark Feldmann erzählt von seiner neuen Vortragsreihe und verrät, welche Veranstaltung der Höhepunkt sein wird.

Beate Pfeifer

In diesem Semesterstehen Künstler und Wissenschaftler im Fokus, die aus demGlarnerland kommen oder eine Beziehung zum Kanton haben. Für den Präsidenten der Volkshochschule (VHS) Glarus, Geologe Mark Feldmann, war dies der «rote Faden» bei der Zusammenstellung des aktuellen Vortragsprogramms.

 

Gibt es genügend Glarner Künstler und Wissenschaftler, um eine ganze Vortragsreihe mit ihnen zu füllen?

Ja, auf jeden Fall. Nur wissen das die wenigsten Glarner. Es gibt zum Beispiel Fritz Zwicky – welttop. Einer von Zwickys Assistenten war Paul Wild. Die Nasa hat eine Sonde nach ihm benannt, «Wild two», und auf einen Kometen geschickt. Das macht man nur, wenn jemand sehr gut ist.

Dann werden zwei Kunstsammlungen thematisiert: Othmar Huber, er besass ja wahnsinnige Sachen, und die Sammlung Emil Bührle. Die beiden Präsentationen versprechen spannend zu werden und ich denke, da kommt auch das Thema Raubkunst zur Sprache. Es gibt auch Oswald Heer, der war fast so gut wie Darwin, weltspitze eben. An den Glarner Schulen werden diese Glarner Wissenschaftler aber nicht vermittelt. So hat der durchschnittliche Bürger des Kantons Glarus auch kaum eine Ahnung von der Glarner Wissenschaft, kaum eine von der Glarner Kunst. Und leider interessiert es die meisten auch nicht.

 

Und das soll sich jetzt mit der neuen Vortragsreihe ändern?

Es ist der Wunsch an uns herangetragen worden, mehr Glarner Themen in der VHS zu bringen, was wir auch aufgegriffen haben. In der letzten Vortragsreihe ging es um Philosophie und Ethik, dies auf sehr hohem Niveau. Da sind wir vielleicht schon etwas übers Ziel hinausgeschossen, zu «fremd» gewesen. Aber wir haben sehr viele Besucher gehabt, es war also schon ein Erfolg.

 

Und jetzt wird das Niveau tiefer sein?

Nein, ich glaube nicht, dass das Niveau jetzt tiefer ist. Unsere Kurse sollen Hochschulniveau haben, aber es soll auch etwas Populäres sein, Volkshochschule eben.

 

Was wird noch Thema sein?

Ernst Bernhard aus Schwanden ist eine der faszinierendsten Personen im Glarnerland. Er war in den 50er-Jahren wissenschaftlicher medizinischer Zeichner an der Uni Basel. Er wird uns zeigen, was er jeweils während Operationen gesehen und gezeichnet hat, zum Beispiel die Ansätze von Muskeln und Sehnen. Seine Präsentation hat historischen Wert.

Das Ortsmuseum in Mollis zeigt derzeit eine Ausstellung über Fritz Zwicky, einen der drei grössten Glarner Naturforscher. Er hat die dunkle Materie entdeckt. Heute forschen im Cern in Genf rund 2000 bis 3000 Wissenschaftler, um herauszufinden, was genau die dunkle Materie ist, denn man weiss bis heute nur, dass es sie gibt, aber nicht genau, was sie ist. Die Ausstellung wird anschliessend übrigens durch halb Europa gehen.

Wir wollten abernicht nur den Wissenschaftler Zwicky vorstellen, sondern auch diePerson. Perikles Moniodis, ein ausgewiesener Literat, der Buchpreisegewonnen hat, wird einen Vortrag über Dürrenmatts «Die Physiker»halten und eine Verbindung zwischen Literatur und Wissenschaftherstellen. Denn die Figur Möbius soll angeblich Fritz Zwickygewesen sein.

 

Wo finden die Vorlesungen statt?

Bisher haben diemeisten Veranstaltungen in der Aula der Kantonsschule stattgefunden.Nun gibt es Anlässe in allen drei Gemeinden. Das neue Konzept derVHS ist auch, dass wir mit anderen Vereinen und Institutionenzusammenarbeiten, mit dem Freulerpalast zum Beispiel, oder mit derFritz-Zwicky-Stiftung. Wir gehen unter anderem in das Atelier vonPatrick Rohner, der vor Ort in Rüti über seine Werke sprechen wird.Er ist wahrscheinlich einer der wenigen zeitgenössischen GlarnerKünstler, der von seiner Kunst leben kann. Dasselbe Konzept habenwir beim Glarner Fotografen Fridolin Walcher. Auch da gehen wir insein Foto-Atelier.

 

In vielen Vorträgen geht es um Glarner früherer Zeiten. Gibt es auch jüngere Glarner Künstler und Wissenschaftler?

Ja. Die letzten zweiJahre hat die Kanti Glarus an den Robotikweltmeisterschaften in denUSA teilgenommen. Der Ingenieur Hans Wiederkehr hat die Jungs betreutund wird das Projekt Robotik vorstellen. Wir brauchen junge Themenund neue, junge Mitglieder. Wir wollen die VHSGL verjüngen. Das isteine ganz klare Ansage.

 

Auf welche Veranstaltung freuen Sie sich am meisten?

Sie sind alle spannend, aber ich freue mich auf den Volks-Hoch-Jazz, die letzte Veranstaltung der Reihe. Das Glarnerland hat eine irrsinnige Jazzkultur, Fredy Bühler, Jost Trümpy, das waren beispielsweise die alten Jazzer. Heute kennt man Felix Stüssi, der in Kanada lebt, oder Werner Fischer und Jürg Wickihalder. Wir wollen 60 Jahre Jazzkultur im Glarnerland zeigen. Das ist zum ersten Mal eine Veranstaltung, an der alle Glarner teilnehmen, die mit Jazz zu tun haben. Das wird der Anlass schlechthin. Das ganze Gesellschaftshaus in Ennenda ist dafür reserviert. Im Saal finden die grossen Konzerte statt, unten in den Räumen die kleineren Sessions. Das wird sicher ein schweizweiter Topanlass.

 

Erster Vortrag:Fabeltiere am Waldrand – Kunst als Bewusstseinserweiterung und dieSammlung Othmar Huber, Vortrag Dr. Judith Welter, Donnerstag, 13.September, 19.30 Uhr, Freulerpalast Näfels.

 

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