Rubrik: Persönlich

Persönlich

Unser Curler

Martin Rios, Silber-Olympionike, erhielt eine Glarner Ehrennadel – das Persönlich zu unserem Curler.

Von Tina Wintle

Es ist ein Nomadenleben, das Martin Rios derzeit führt. Nirgends richtig zu Hause und immer unterwegs. Seit der Silbermedaille an den olympischen Winterspielen in Südkorea Anfang Jahr hat er soeben seine Trainerausbildung abgeschlossen. Als Trainer war er an der Curling-Junioren-WM in Schottland.
«Mir gefällt das schon, die Welt zu sehen», auch wenn sich bei seinen Reisen oft nur ein sehr kleines Fenster einer anderen Kultur öffnet. Meistens sieht er den Flughafen, das Hotel, die Curlinghalle und dann wieder den Flughafen. «Trotzdem bekommt man ein Gespür für die Welt, für die Länder und die Menschen, die darin wohnen.» Rios spricht fünf Sprachen, es fällt ihm auch deshalb leicht, mit all diesen Menschen in Kontakt zu kommen und sich mitzuteilen.
Heute geniesst er den fast freien Tag hier im Glarnerland. «Morgen stehe ich früh auf, um den Sonnenaufgang auf dem Fronalpstock zu bewundern.» Zeit für Privates bleibt nicht viel, auch seine Beziehung zu seiner Freundin, die in Biel lebt, sei manchmal schon eine «Challenge».
Inzwischen ist es etwas ruhiger um seine Person und um seine Mixed-Double-Curling-Partnerin Jenny Perret geworden. Nach den Winterspielen im Februar war der Rummel doch sehr gross. «Als das spanische Fernsehen herausfand, dass mein Vater Spanier ist, belagerte die Presse das Haus meiner Verwandten in Spanien und führte Interviews mit ihnen.» Auch heute noch wird er beim Einkaufen oder einfach auf der Strasse spontan angesprochen, ob er wirklich der sei, der vermutet wird.
Martin Rios hat das Curlen entdeckt, als er elf Jahre alt war. «Wir waren damals eine Gruppe junger Buben aus Riedern, die zusammen angefangen hat.» Ich erinnere mich sehr gut an die Worte unseres damaligen Trainers Heinz Hefti: «Gebt alles, und ihr könnt alles gewinnen.» Fasziniert hat ihn der Sport von Anfang an, auch wenn er heute schmunzelnd zugibt: «Ich habe auch andere Sportarten ausprobiert, aber Curlen war der einzige Sport, in dem ich wirklich gut war. Einmal sagte er in einem Interview, dass es wohl viele Curler gebe, die sehr viel besser als er spielen würden. Heute ergänzt er: «Das ist schon richtig so, allerdings gibt es wohl kaum einen Zweiten, der so konsequent trainiert wie ich.» Es ist nie nur Talent, das einen an die Spitze bringt.
Wenn fünfmal die Woche Trainings angesagt sind, dann sei er derjenige, der sechsmal auf der Matte stehe. Auch die Work-Life-Balance sei deshalb ein Thema und das Vermeiden von Burn-outs: «Ich bin froh, dass es in unserem Team Leute gibt, die mich sehr gut kennen und mir auch mal sagen, wenn es zu viel wird und ich einen Gang runterschalten muss.»
An den Olympischen Spielen 2022 in Peking will das Team wieder antreten. Jetzt steht die WM und der World Cup auf dem Programm. Erste Station: Shanghai. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit, nach dem Olympia-Silber wieder abzuräumen, lässt ihn kalt: «Die öffentliche Meinung interessiert mich nicht. Es ist aber sowieso schwierig, dass die Öffentlichkeit noch mehr Druck aufbauen könnte, als wir uns als Team schon selber geben.» Dass er nun von seiner Heimatgemeinde geehrt wurde, macht in stolz: «Die Anerkennung gilt aber nicht mir alleine, sondern vielmehr all jenen, die mich auf meinem Weg begleiten und auch jenen, denen ich vergessen habe, dafür Danke zu sagen.»

Persönliches

Vorname, Name:

Martin Rios

Alter, Sternzeichen:

37, Zwillinge

Wohnort:

Riedern

Beruf:

Curler, Curling Trainer

Interessen und Hobbys:

Sport allgemein. Wenn die Zeit reicht, mit Kollegen eine Wurst im Klöntal bräteln

Liebster Ort im Kanton:

Klöntal

Lieblingsessen:

Vieles! Gerne auch Krevetten. Falls diese einmal ausgefischt sind, bin ich mitschuldig.

Lieblingsmusik:

Red Hot Chili Peppers

Das geht gar nicht:

Menschen, die nicht loyal sind

Das mag ich:

Freiheit

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