Rubrik: Interview

Wörtlich
 

Vom «Chlüntel» bis zum «Wurstsalaat»

Am Freitag kommt die neue CD «Mit Liib und Seel» der Rämlers auf den Markt – über Vergangenheit und Zukunft

Von Anja Mittner

Jonny Tinner, Rämlers kurz erklärt: Wer seid Ihr?

1981 wurden die Rämlers als Guggenmusik gegründet. Irgendwann hatte es aber so viele Guggen, dass wir beschlossen haben, etwas Neues zu machen. Daraus hat sich dann mit der Zeit eine Band entwickelt und irgendwann brachten wir mit «Glärig» unsere erste CD heraus. Zudem sind wir ein Verein und haben auch Mitglieder, die nicht aktiv in der Band mitspielen.

Was hat euch dazu bewegt 13 Jahre nach der letzten CD jetzt eine neue zu produzieren?

Die Idee war schon lange im Köcher, aber aus irgendwelchen Gründen haben wir das nicht vorher angepackt. Auf unserer letzten Rämlers-Reise auf den Seychellen vor 1,5 Jahren war der Durchbruch: Dort haben wir gesagt «Jetzt machen wir das!» In einem Viererteam sind wir anschliessend zusammengesessen und haben die Musik und die Texte gemacht. Aus den besten Ideen sind in dieser Zeit die elf Lieder der CD «Mit Liib und Seel» entstanden. Das war ein sehr spannender Prozess für uns alle.

Die CD «Glärig» war ein Loblied ans Glarnerland. Wird «Mit Liib und Seel» ähnlich sein?

Auf jeden Fall. Gerade der Song «Mit Liib und Seel» ist eines der Loblieder ans Glarnerland. Und ein grosses Glarner Fest hat uns beispielsweise auch zu einem weiteren Song, «Ännet em Jordan», inspiriert. Einerseits ist es ein Lobgesang, aber gleichzeitig hat das Lied auch eine gewisse Tragik.

Immer wieder erfindet ihr neue Instrumente – welche sind es dieses Mal?

Neben den Altbekannten, dem «Brittli» und dem Kompostkübel, haben wir ein neues Rhythmusinstrument: ein «Züggerli» von der Glarner Kantonalbank. Dafür musste es aber «muggsmüüsli still» sein während den Aufnahmen.

Welcher ist euer Lieblingssong auf der neuen CD?

Diese Frage ist gemein. Mein Lieblingssong geht 40 Minuten. Das ist, als ob man fragen würde, welches Kind man lieber habe.

Verdient ihr mit den Rämlers auch etwas, oder ist das reiner Spass?

Alles Geld geht in die Vereinskasse und alle paar Jahre machen wir damit wieder einmal eine Reise zusammen. Gagen zahlen wir aber bewusst keine aus. Bei uns gibt es kein Geld – auch nicht für solche, die Profis waren. Von diesem Konzept sind wir nie abgekommen, und das ist eigentlich auch cool so. Ich bin überzeugt, wenn wir Geld auszahlen würden, gäbe es dieses Konstrukt sehr wahrscheinlich gar nicht mehr.

Ob Jung oder Alt – wenn eure Musik läuft, bleibt kein Bein auf dem anderen. Wie schafft ihr das, ganze Generationen mit eurer Musik zu verbinden?

Das hängt zu einem gewissen Teil sicher mit unserer langen Geschichte zusammen. Was wir aber auch viel hören, ist, dass man uns die Freude ansehen würde. Und das stimmt auch – wir sind ehrlich und authentisch.

13 attraktive Männer, die auf einer Bühne stehen. Fliegen da nicht auch mal BHs auf die Bühne?

(Lacht.) Das hat es wirklich schon gegeben. Aber Plüschtiere und Blumen sind auch schon geflogen.

Das tönt nach guten Geschichten.

Mit unseren Geschichten aus den vergangenen 37 Jahren könnte man Bücher füllen. Einmal haben wir beispielsweise unseren Bus verpasst, weil wir unbedingt im Zürcher Niederdorf in einen Pouletschenkel wollten. Heim ging es dann halt mit dem Taxi. Aber man nimmt von jedem Auftritt Erinnerungen nach Hause – ob gute oder schlechte.

Wird das eure letzte CD sein?

Wir haben im Moment nicht vor, mit den Rämlers aufzuhören. Es macht immer noch riesig Freude.


«Mit Liib und Seel» ab Freitag auf iTunes und im Handel erhältlich. Plattentaufe am Samstag ab 20 Uhr im Güterschuppen Glarus.

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