Persönlich
 

Das Kulturbeizli ist sein Daheim

Bruno Hefele über sein Kulturbeizli in Schwanden und mehr.

Von Susanne von Dach

Zwei Züge waren frontal ineinandergeprallt, damals Anfang der Siebzigerjahre an der Zürcher Goldküste. Acht Menschen verloren dabei ihr Leben, und der 14-jährige Bruno Hefele war, nahe am Unfallort wohnend, mitten in dieses furchtbare Geschehen geraten. Er hatte erste Hilfe geleistet, Schwerstverletzte notdürftig versorgt – getan, was getan werden konnte. Von diesen leidvollen Bildern der damaligen Tragödie geprägt, ging sein Leben weiterhin seinen Gang. Doch heute noch trägt er diese Bilder mit sich, hat sie hin und wieder vor Augen. Nicht, dass er sich als traumatisiert bezeichnen möchte, aber dieses Erlebnis bleibt ein Teil seines Lebens. Eine Erfahrung, die ihn damals schon begreifen liess, wie endlich ein Leben doch ist.
Heute lebt der 1956 Geborene seit bald drei Jahren in Schwanden, führt dort das kleine, schmucke «Kulturbeizli» Raben. Er scheint angekommen zu sein.
Ursprünglich in Zürich geboren, war seine Familie im Laufe der Jahre fast schon überall rund um den Zürichsee wohnhaft. Trotzdem kann er auf eine schöne Kindheit und tolle Erinnerungen zurückblicken.
Mit 20 Jahren hatte es den jungen Mann dann erstmals in die Fremde gezogen. In vielen Teilen der Schweiz hatte er sich im Laufe der Jahre niedergelassen – so wie damals zu frühen Kinderzeiten, könnte man meinen. Er arbeitete in verschiedenen Kantonen und Orten als Gastronom, aber ebenso in anderen Arbeitsbereichen. Ein wahrlich geübter Allrounder.
42-jährig, schien ihm dann das nötige «Sitzleder» doch wieder zu fehlen und er brach seine Zelte in der Schweiz endgültig ab. Er wanderte auf die Kanarischen Inseln, nach Gomera, aus, wo er mit seiner damaligen Partnerin und deren Kind als Selbstversorger lebte und die Segelleidenschaft ihn packte. Doch schwierige Umstände und eine gescheiterte Beziehung liessen den Weltenbummler ein paar Jahre später wieder ins «Schwyzerländli» und schlussendlich ins Glarnerland zurückkehren. Ein bewegtes Leben, das weiss Bruno Hefele, vertritt aber die Meinung, die guten sowie schlechten Erfahrungen hätten  ihn stark gemacht, und keine würde er missen wollen.
Gerade hat Hefele die Tür des Restaurants «Raben» geöffnet. Durch das graue, lange, zum Pferdeschwanz zusammengebundene Haar des Gastgebers weht ein Windstoss. Der Beizer streicht einige Strähnen zurück, setzt sich nach dem Bedienen zu den ersten Mittagsgästen und beisst genüsslich in einen Apfel. Seit rund 30 Jahren gehören drei Äpfel täglich zu seinen Mahlzeiten. Ebenso ist er Flexitarier, geniesst also nur selten ein Stück Fleisch. Er raucht nicht und trinkt keinen Alkohol, macht täglich 40 Liegestützen und fährt oft Fahrrad. Das Leben habe ihn gelehrt, gesund und umweltbewusst zu leben, so seine Erklärung. Gewicht lege er daher auf seine Ernährung, aber auch auf umweltfreundliche Materialien und deren Wieder­-
verwertung. Dies setze er in jeder Hinsicht, wann immer die Möglichkeit gegeben ist, um.
Auch seine Partnerin und deren drei Kinder gehören seit fast zehn Jahren zu seinem Leben. Sie verbindet eine gemeinsame grosse Liebe sowie eine Seelen­-
verwandtschaft, empfindet der Gastwirt. Und man gehe mit Sorgfalt und Respekt miteinander um, was ihm sehr wichtig ist. Bei diesen Äusserungen zeigen sich in seinem Gesicht kurz Dankbarkeit und Wärme. «In ein paar Jahren wollen wir unsere Zweisamkeit noch mehr geniessen. Wir wollen mit unserem gelben «Hippibus» wieder auf Reisen gehen», schmiedet er Pläne. «Vorerst jedoch lebe ich nun meine Kulturbeizli-Zeit.» Als Chef, Galerist, DJ, Seelsorger und vieles mehr. Hier fände jeder noch ein kleines Stückchen heile Welt vor, und hier sei gerade deshalb auch sein Zuhause.

Persönliches

Vorname, Name

Bruno Hefele

Alter, Sternzeichen

62, Fische

Wohnort

Schwanden

Beruf

Gelernter Elektroniker

Interessen und Hobbys

Partnerschaft, Kinder, Kulturbeiz

Liebster Ort im Kanton und in der Welt

Tannenberg

Lieblingsessen und Getränk

Apfel, Pepita, Ginger Ale

Lieblingsmusik

Jimmy Hendrix, Jazz

Grösstes Anliegen

Dass die Menschen mehr Toleranz zeigen

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