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Persönlich

Nicht immer da, manchmal Kanada

Alice Disch, ehemalige Flight Attendant, über den Ort, an dem ihr Herz höher schlägt und mehr.

Von Anja Mittner

«Auf unserem Grundstück am François Lake in Kanada haben wir einen Bären als ‚Haustier‘. Und manchmal kommt er auch ans Küchenfenster ‚gu grüäzi sägä‘», erzählt die Glarnerin Alice Disch. Zusammen mit ihrem Mann Kaspar hat sie im September 2013 ihr Haus in Schwändi verkauft und ist in den Flieger nach Texas gestiegen. «Wir haben schon lange davon geträumt, das irgendwann zu machen.» Dort angekommen, hat das Ehepaar Disch einen Wohnwagen gekauft, eingerichtet und die Reise konnte beginnen: der Nase nach oder wohin auch immer ihr Herz sie zieht. «Im ersten Winter waren wir in den wärmeren Gegenden wie New Mexico und Arizona unterwegs, im Frühling hat es uns quer durch das Land Richtung Kanada gezogen», erinnert sie sich zurück. Seitdem ist das Ehepaar vor allem durch Kanada gereist – das Land und die Leute hätten es ihnen angetan. «Die Kanadier sind noch etwas urchiger und naturverbundener als die Amerikaner. Am Abend sitzen wir häufig mit ihnen zusammen an einem Feuer und sprechen über Gott und die Welt – das gefällt mir», sagt sie schmunzelnd. Aber nicht nur auf dem Campingplatz hält sich die ehemalige Englischlehrerin auf: «Ich möchte jeweils aktiv am Dorfleben teilnehmen, wenn wir an einen neuen Ort kommen.» So habe sie beispielsweise einmal an einem Tanzkurs teilgenommen und im Alterszentrum besuche sie jeweils die Einwohner. «Das ist erstaunlicherweise auch der Ort, an dem man das beste WLAN hat», sagt sie. Muss man ab und zu auch vor dem eigenen Mann flüchten, wenn man ihn ununterbrochen sieht? «Na klar. Das wäre gelogen, wenn ich jetzt etwas anderes sagen würde», sagt sie lachend. Sie mache dann jeweils einen Ausflug alleine, mit dem Auto oder auch zu Fuss. Die Freunde nicht oft zu sehen, sei für sie das Schwierigste an diesem Erlebnis. Sie habe zwar immer Kontakt zu ihren Leuten, aber sie freue sich trotzdem jedes Mal sehr, wenn sie ins Glarnerland komme. «Ausgewandert sind wir nicht – wir sind einfach häufiger in den Ferien als andere», betont die ehemalige Flugbegleiterin. Wenn sie alle paar Monate wieder nach Hause fliegt, ist neben ihren Freunden das Zigerstöckli das Erste, das dran glauben muss: «Ich liebe Ziger und allgemein fehlt mir der gute Schweizer Käse im Ausland.» Deshalb würden sie auch jedes Mal ein bisschen Käse mitnehmen, wenn sie wieder abreisen. Obwohl das Glarner Ehepaar seit zwei Jahren vor allem in Kanada unterwegs ist, standen in den letzten Monaten auch andere Destinationen auf dem Plan: «Aufgrund von Reisebekanntschaften haben wir schon mehrmals für Freunde Häuser ‚gehütet‘, während diese unterwegs waren. So zum Beispiel in Hawaii und in der Karibik.»
Erst kürzlich hat das Ehepaar aus Schwändi ein Grundstück am kanadischen François Lake gekauft. «Eigentlich sind wir durch Zufall darauf gestossen. Wir wären dumm gewesen, wenn wir es nicht gekauft hätten», führt sie aus. Dort sei es ein bisschen wie am Klöntalersee – einfach in viel grösseren Dimensionen. Obwohl sie nun Landbesitzer sind, sogar mit einem ‚eigenen‘ Bären, steht das Auswandern nicht zur Diskussion. «Wir haben zwar einen kleinen Schuppen, eine Toilette und einen Unterstand für den Trailer gebaut, aber ein Haus wird nie darauf stehen. Unser Zuhause ist und bleibt das Glarnerland.»

 

Persönliches

Vorname, Name

Alice Disch

Alter, Sternzeichen

64, Skorpion

Wohnort

Näfels

Beruf

Pensioniert

Interessen und Hobbys

Reisen, laufen, lesen, Leute kennenlernen

Liebster Ort im Kanton und in der Welt

Mettmen und François Lake (Kanada)

Lieblingsessen

Filetgulasch Stroganoff

Lieblingsband

Jodlerklub Wiesenberg

Grösstes Anliegen

Dass Leute wieder freundlicher aufeinander zugehen

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