Rubrik: Kolumne

Prägnant
 

Vielgestaltige Frühlingsboten

Sirkka Marti, Studentin, in der aktuellen Kolumne über die Übergangszeit zwischen Winter und Frühling.

«Es passiert doch ständig, dass Leute in Bäume verwandelt werden.» Diese Aussage stammt nicht aus einem fantastischen Roman oder Film, sondern wurde ungefähr so von einem Dozenten an der Uni gesagt. Bevor Sie nun aber die Schweizer Hochschullandschaft endgültig aufgeben, sollte man vielleicht noch hinzufügen, dass jener Satz in einem Seminar über alte Literatur gesagt wurde und das Gesprächsthema griechische Mythologie war. Und nun ja, in der griechischen Mythologie ist es tatsächlich häufig so, dass Menschen oder Nymphen in Bäume, Blumen, Tiere oder Ungeheuer verwandelt werden. Besonders bei Verwandlungen in Pflanzen geht meist der Name der verwandelten Person auf das Gewächs über. Wenn man also eine griechische Sage liest und darin kommt jemand vor, der zum Beispiel wie eine Blume heisst, kann man so erahnen, was mit ihm oder ihr vermutlich passiert. Viele der Blumen, die uns jetzt in den Läden und zum Teil auch in der freien Natur ihre Aufwartung machen, sind in den Mythen durch Verwandlungen entstanden: Krokusse, Narzissen, Hyazinthen … et cetera. Aber momentan bleibt es wohl bei einigen, wenigen, bunten Frühlingsboten und bis der Frühling mit all seinen Blumen, Blättern und Blüten den Winter endgültig vertreibt, wird es wohl noch ein wenig dauern. Es ist eine merkwürdige Übergangszeit, in der auf den Bergen Ski fahren oder Schneeschuhlaufen meist noch gut möglich ist, während man aber gleichzeitig im Tal mit dem Velo, Joggingschuhen oder spazierend bereits die nächste sportliche Saison einläuten kann. Vielleicht würde es Sinn machen, (sportliche) gute Vorsätze zu dieser Zeit des Jahres zu formulieren und nicht im Januar. Denn die dunklen, kalten Tage zu Jahresbeginn sind möglicherweise weniger motivierend als die stetig wärmer und heller werdenden Tage am Frühlingsanfang. Trotz aller Motivation sollte man dabei allerdings nicht vergessen, dass Umbrüche häufig auch grössere und kleinere Gefahren mit sich bringen, namentlich Lawinen, Föhnstürme und erste Sonnenbrände. Allen drei kann man zum Glück aber mehr oder weniger vorbeugen, wenn man sich entsprechend auf sein Outdoor-Adventure vorbereitet. Uns Archäologie-Studenten erwartet ebenfalls ein Abenteuer, findet doch bald eine Exkursion nach Neapel statt. Nach der Anreise quer durch Italien steht uns ein Museen- und Ausgrabungsstättenmarathon bevor, von dem ältere Studierende uns ein Lied singen können. Aber im Gegenzug sehen wir endlich all die Bauwerke, Silberschätze und Wandmalereien, die es dort zu
bestaunen gibt. Ob wir von diesem Anblick so verzaubert sind, wie Narzissus von seinem Spiegelbild, wird sich noch zeigen …

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