@*X£%&!

In der aktuellen Kolumne "Liebe Brüder und Brüderinnen" deckt Ueli Weber, Journalist, Rohrkrepierer der geschlechterneutralen Sprache auf.

Früher machten wir Witze darüber, nun ist es tatsächlich passiert. Neulich schrieb uns eine politische Partei eine E-Mail, in der von «Mitglieder*innen» die Rede war*. Wer nicht folgen kann: Es gibt nur das Mitglied. Sächlich.

Die Mitgliederin ist ein Rohrkrepierer der geschlechterneutralen Sprache. Deren Verfechter stören sich etwa daran, dass die deutsche Sprache eine Gruppe von 99 Ärztinnen und einem Arzt zu Ärzten erklärt. Sie denken sich deshalb neue Möglichkeiten aus, wie man die Sprache fairer gestalten könnte.

Es gibt verschiedene Anweisungen, wie man gerechte Sprache umzusetzen hat. Manche setzen Stern*innen. Andere schwören auf Klammer(innen). Wer besonders flink tippen kann, kombiniert Quer- und Bindestrich zu Quer- und Bindestrich/-innen. Und wenn alle Sonderzeichen durch sind, sieht das Schriftbild aus wie ein Fluchwort in einem Asterix-Heft: @*X£%&!

Leider geht ab und zu die herkömmlich korrekte Schreibweise vergessen, wenn man zu sehr über der politisch korrekten Schreibweise brütet.

Ich würde deshalb gerne an die Lehrer und Lehrerinnen appellieren. Aber ein Blick in die Schulzeitung der Gemeinde Glarus lässt Böses ahnen. Darin werfen sie mit meinem persönlichen, geschlechterneutralen Hasswort um sich: Lehrperson. Asterix nannte diesen Ausdruck einst ein fertiges @*X£%&!-Wort.

Erstens ist es scheusslich. Zweitens ist es frei erfunden. Drittens fände man mit «Lehrkraft» ein tatsächlich existierendes Wort im Duden, wenn man ums Verrecken nicht Lehrer und Lehrerinnen schreiben will.

Doch dabei bleibt es nicht. Auch die einzelne Lehrerin Frau Müller wird als Lehrperson Müller bezeichnet. Was bringt es eine Lehrerin aus Fleisch und Blut zu einem Neutrum zu abstrahieren? Und um die Sache noch schlimmer zu machen, wird die gerechte Sprache völlig ungerecht angewandt. Warum bleibt Schulleiter Hugentobler ein Schulleiter und mutiert nicht zur Schulleitungsperson Hugentobler? Besonders Schade ist es um die Kindergärtnerinnen. Sie sind nun Kindergartenlehrpersonen, was wohl kein Fünfjähriger aussprechen kann. Dabei hatte sich der Gründer des ersten Kindergartens richtig Mühe gegeben, als er einen Namen für seine Institution suchte. Die Idee kam dem deutschen Pädagogen Friedrich Wilhelm August Fröbel auf einer Wanderung in der Natur. Er erklärte den Kindergarten so: «Die Kinder sollen ähnlich den Gewächsen unter den Augen des verständigen Gärtners, von Einsicht und Sorgfalt und von treuer Liebe möglichst gepflegt werden. Dass Leib und Geist dabei gedeihen und das Kindliche Gemüt, wie die Blüte in der Knospe, sich unverletzt entfalten.»

Fröbel wäre vielleicht auch ein guter Dichter geworden, er hatte jedenfalls Sinn für eine schöne Metapher. Einige seiner Nachfolger im Feld der Pädagogik haben offensichtlich weniger Sinn für Poesie. Sie würden heute sagen: Fröbel schrieb wie eine Dichtperson.

*Es waren nicht die Grünen, imfall.

 

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