persönlich

Heinzelmännchen in der Nacht

Sein Leben sei bisher turbulent verlaufen, sagt Josef Züger aus Glarus. Er habe seiner Frau Brigitte versprochen, es werde nie langweilig mit ihm. «Und dieses Versprechen habe ich eingehalten», schmunzelt er.
Von Madeleine Kuhn-Baer

Wir sitzen in der Werkstatt im Mühlefuhr Ennenda, wo er seit seiner Pensionierung öfters anzutreffen ist. Teilweise auch nachts. Denn er ist sich gewohnt, nachts zu arbeiten. Und ganz pensioniert ist er auch noch nicht: Er arbeitet noch zu etwa 30 Prozent für die Securitas. In diesem Beruf, den er seit 1991 ausübt, hat er seine Berufung gefunden. «Wir sind die Heinzelmännchen in der Nacht, die viel machen – und niemand sieht es», sagt er. Er sei nie «für d’ Chatz» unterwegs, müsse bei jedem Kunden etwas in Ordnung bringen. Zum Beispiel Fenster oder Türen schliessen, Wasser abstellen, Maschinen ausschalten, jetzt in der Adventszeit Kerzen auslöschen.

Hat er keine Angst, wenn er alleine in der Dunkelheit unterwegs ist? «Angst zu haben ist nichts Schlechtes, das macht einen vorsichtig», betont er. Doch er habe nicht Angst im eigentlichen Sinn. «Wir betreiben zur Hauptsache Werkschutz und haben es ja nicht mit Kriminellen zu tun.» Schrecksekunden hingegen gebe es durchaus, aber auch schöne. Dabei erinnert er sich an eine Januarvollmondnacht: «Bei der Aussenkontrolle eines Gebäudes kam ich um eine Hausecke, einen Meter vor mir stand ein Hirsch. Ich blieb wie angewurzelt stehen, mein Herz stand still, wir schauten uns an. Der Hirsch drehte sich dann und schritt rechts an mir vorbei.»

Die Selbstständigkeit und die Abwechslung in seiner Tätigkeit als Securitaswächter faszinieren ihn. Weniger Freude hat er an Beschimpfungen und Anpöbeleien, die leider auch vorkommen. Zudem finde eine «soziale Verarmung» statt, arbeitet er doch dann, wenn die meisten frei haben. «Aber es ist eine sehr wichtige Aufgabe, die mir Freude bereitet.»

«Tüpflischisser»

Josef Züger ist mit zwei Geschwistern in Schwanden aufgewachsen. Seine Jugend sei einerseits schön, anderseits auch hart gewesen. «Von klein auf musste ich arbeiten», bekennt er. Die Primarschule war wegen seiner Rechtschreibeschwäche «ein Krampf», doch in der Lehre als Konstruktionsschlosser bei der Therma löste sich der Knoten. Es folgten Wanderjahre als Grossküchenmonteur. Wieder zurück in seinem Beruf, hatte er das Glück, bei der Contraves AG an drei Nutzlastverkleidungen für die europäische Trägerrakete Ariane mitarbeiten zu können. Dabei war äusserste Präzision gefragt. «Ich war eben schon immer ein Tüpflischisser», lacht er. 1977 kehrte er mit seiner Frau und seiner Tochter ins Glarnerland zurück. Zwei Söhne komplettierten die Familie. Er engagierte sich in den Feuerwehren von Näfels, Ennenda und Glarus und gehörte auch dem Vorstand des Pilzvereins an.

Weihnachten näherbringen

Seit etwa zehn Jahren hat er sich einem speziellen Hobby verschrieben: Er gestaltet Krippen aus Abfallholz, Wurzeln, Schwemmholz, Moos und Flechten. Er finde es schön, «totes Material einer neuen Bestimmung zuzuführen». Beim Wandern entdecke er immer wieder besondere Stücke und habe bereits eine Grundidee, wie er diese verwerten könnte. «Ich weiss dann aber noch nicht, was am Ende herauskommt. Dies entwickelt sich erst beim Gestalten.»

Im Dezember sind die Krippen in der Markthalle in Glarus ausgestellt. Josef Züger verkauft sie nicht. «Da ist sehr viel Herzblut drin, ausserdem kann den Aufwand niemand bezahlen.» Für eine grosse Krippe wende er schon mal 200 Stunden auf. Es bereite ihm einfach Freude, «die Krippen zu zeigen und den Leuten so Weihnachten näherzubringen».

 

Persönliches

Vorname, Name

Josef Züger

Alter, Sternzeichen

65, Jungfrau

Wohnort

Glarus

Beruf

Rentner und Securitaswächter

Interessen und Hobbys

Wandern, Tanzen, Langlauf, Pilze, Alpenblumen, Eierritzen, Krippenbauen

Liebster Ort im Kanton und in der Welt

Fryberg und Schwarzwald

Lieblingsessen

Alles, was meine Frau kocht

Lieblingsmusik

Blasmusik, Jazz, Musikwelle

Grösstes Anliegen

Eigenes Brauchtum pflegen, Glaube, zur Natur Sorge tragen

 


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