Persönlich
 

«Nein, ich bin kein Clown.»

Carla Kühne, eine Zirkus-Studentin aus Schwanden, über ihr Leben im Ausland und mehr...

Von Anja Mittner

«Wenn ich erzähle, dass ich Zirkus studiere, denken viele gleich an den klassischen; an einen wie den Zirkus Knie. Ich mache aber zeitgenössischen Zirkus – das ist etwas ganz anderes», sagt die 24-jährige Carla Kühne aus Schwanden.
Begonnen hatte das Ganze durch Zufall: Als Carla Kühne die Kantonsschule abgeschlossen hatte, wollte sie eigentlich ein Studium beginnen, bei dem sie Animationsfilme gemacht hätte. Nachdem sie aber nicht aufgenommen wurde, beschloss sie zusammen mit einem Kollegen aus Spass einen zweimonatigen Akrobatikkurs in Liverpool zu absolvieren. Beiden hatte es dann so gut gefallen, dass sie danach durch ganz Europa reisten und die verschiedenen Zirkusschulen abgeklappert haben. «Dann habe ich die Aufnahmeprüfung für den Vorkurs des Studiums gemacht – und irgendwie auch bestanden, obwohl es mir dazumal gar nicht so ernst war.»

Learning by Doing

Kurz entschlossen zog die damals 22-Jährige nach Turin und besuchte dort die «Flic Scuola di Circo». Fünf Tage die Woche, von 8 bis 17 Uhr, trainierte Carla Kühne dann Tanz, Theater, Akrobatik, Handstand und ihr Spezialgebiet, das Jonglieren. «Beim ‘Contemporary Circus’ geht es nicht mehr darum, in einem Gebiet auf dem höchsten Level zu sein. Vielmehr trainiert man alles und kreiert aus all den Grundbausteinen etwas Neues, Eigenes», erklärt sie. Die Zuschauer sollen etwas fühlen, und nicht einfach nur klatschen. «Dazu spielen wir mit der Musik, dem Rhythmus, der Sprache, dem Tanz – mit unserem ganzen Körper.» Und in welcher Sprache wurde da unterrichtet? «Von Anfang an auf Italienisch, obwohl mehr als 70 Prozent die Sprache nicht beherrschten.» Sie hätte aber relativ schnell alles verstanden und durch die vielen Kontakte nicht so Mühe gehabt, die Sprache zu lernen. «Hauptsächlich Spanischsprechende haben mit mir diese Schule gemacht. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass in mein Italienisch auch spanische Wörter eingeflossen sind.» Deshalb hätten sie viele für eine Spanierin gehalten, sagt sie lächelnd.

Nicht immer einfach

Diese zwei Jahre Vorkurs sind aber nicht spurlos an der jungen Glarnerin vorbeigegangen: «Es war physisch und psychisch anstrengend, man hatte fast keine Zeit mehr für sich. Ich bewegte mich quasi nur noch in der Zirkuswelt.» Und auch die vergangenen Monate waren alles andere als leicht. «Ich habe Anfang Jahr in ganz Europa an Aufnahmeprüfungen für verschiedene Universitäten teilgenommen», erzählt sie. Und bei der letzten Aufnahmeprüfung hat es dann geklappt. Jetzt ist sie seit rund einem Monat in Brüssel an der «Ecole supérieure des arts du Cirque». Dort sei die Theorie und die Praxis vereint, sie hätten beispielsweise auch Kunstgeschichte, Ernährungslehre und Dramaturgie. «Der Ausgleich gefällt mir, und es ist auch nicht mehr so anstrengend wie in Turin.» Was sie faszinierend am zeitgenössischen Zirkus findet, sind die Möglichkeiten. Sie könne sich auf jede erdenkliche Weise künstlerisch ausdrücken, in allen anderen Kunstrichtungen sei dies viel begrenzter. «Deshalb habe ich auch keine ‘Angst’ vor meiner Zukunft: Ich erhoffe mir, durch das breit angelegte Studium immer einen Job zu finden, sei dies in der Regie, im Theater oder wo auch immer.» Das grosse Geld machen werde sie wohl nie – darum geht es ihr aber auch gar nicht.

«Zu Hause» in der Schweiz

«Was mir im Ausland Mühe bereitet, ist die Metro. Dort kannman sich kaum bewegen und es ist immer zu heiss.» Und natürlich, dass SchweizerMayonnaise und Elmer Citro fehlt. «Ich komme alle zwei bis drei Monate nachHause, und wenn ich wieder gehe, nehme ich regelrechte Vorräte davon mit», sagtdie Schwandnerin lachend. Heimweh hat sie auch manchmal – aber «gutes Heimweh».«Je länger man weg ist, desto mehr merkt man, wie schön es im Glarnerlandeigentlich ist. Ich fühle immer mehr, wie es sich anfühlt, zu Hause zu sein.»Im Ausland sei das Schöne und Unschöne zugleich, dass man Leute von überalltreffe, die man aber schlussendlich wieder zurücklassen müsse. «Hier hast dualle deine Freunde auf engstem Raum», erklärt sie.
Ihr Umfeld unterstützt sie sehr, und sie seien alle begeistert davon, was siemacht. Was sie allerdings stört, ist, wenn man sie gleich als Clown abstempelt:«Ich würde den Glarnern gerne den zeitgenössischen Zirkus näher bringen.»

 

Persönliches

Vorname, Name

Carla Kühne

Alter, Sternzeichen

24, Jungfrau

Wohnort

Brüssel und Schwanden

Beruf

Studentin «Bachelor of Circus Arts»

Interessen und Hobbys

Dokumentarfilme, Sport und Bewegung

Liebster Ort im Kanton und in der Welt

Ferienhaus im Klöntal und Stromboli

Lieblingszirkus

Cie Sacékripa

Grösstes Anliegen

Mehr Frieden und Harmonie

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