Persönlich

Das Herz schlägt höher

Schriftsteller und baldiger Gewinner des Glarner Kulturpreises Perikles Monioudis im Gespräch.

Von Madeleine Kuhn-Baer

«Ich habe eine innige Beziehung zum Glarnerland. Ich bin der klassische Heimwehglarner», sagt Perikles Monioudis. Der Schriftsteller, der am 5. Oktober den Glarner Kulturpreis erhält, lebt heute mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich. Mindestens ein Wochenende pro Monat verbringen sie jedoch in Glarus, wo der Preisträger aufgewachsen ist. «Wenn Umstände und Rahmen es ermöglichen würden, spräche wenig gegen einen erneuten Wohnsitz im Glarnerland», sagt er: «Die Natur ist einzigartig, die Wege im Alltag sind kurz, die Schulen sind wirklich gut. Da ist auch ein weites soziales Netz, das tragfähig ist, und ein intaktes kulturelles Leben.»

Wanderjahre durch Europa und die USA

Perikles Monioudis wuchs als Sohn griechischer Eltern, die zwei Jahre vor seiner Geburt als UNO-Mitarbeiter aus dem kosmopolitischen Alexandria in die Schweiz eingewandert waren, zweisprachig auf. Schon in seiner Jugend war er vielseitig interessiert: Er spielte Fussball, Eishockey und Tischtennis, besass das Fischerpatent, musizierte mit der Klarinette, befasste sich mit Computer- und Elektronikbasteleien, aber auch mit der Morsetelegrafie und dem weltweiten Kurzwellenfunk. Nach der Matura «gings hinaus» zum Studium der Soziologie, Politologie und des allgemeinen Staatsrechts an der Universität Zürich, welches er 1993 mit dem Lizenziat abschloss. Anschliessend nahm er verschiedene Aufenthaltsstipendien wahr, las und lehrte an diversen Universitäten in Europa und den USA. Von 1995 bis 2007 lebte er in Berlin. Dann kehrte er in die Schweiz zurück und vermählte sich im gleichen Jahr mit der Schriftstellerin Dana Grigorcea. Die beiden haben eine siebenjährige Tochter und einen viereinhalbjährigen Sohn. Von 2007 bis 2013 arbeitete er als Sportredaktor bei der NZZ. Seither ist er beim Weltfussballverband tätig, wo er als Chefredaktor das «Fifa-Magazin» verantwortet.

Zahlreiche Auszeichnungen

Zum Schreiben kam er «übers Lesen», wie er sagt. Schon als Kind habe er sehr viel gelesen. Heute noch ist er dankbar, «dass die Buchhandlung Baeschlin stets über meine stundenlangen Aufenthalte und die Lektüre von ‘Tim und Struppi’, ‘Asterix und Obelix’ und ‘Die drei ???’ gütig hinwegsah.» Als Jugendlicher kamen erste Schreibversuche hinzu – «und grosse Lesemomente dank Frisch, Handke, Weiss, Benn, Aichinger und viele andere.» Als 26-Jähriger schrieb er seinen ersten Roman, «Die Verwechslung». Er wurde mit dem Buchpreis der Stadt Zürich ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche weitere Werke – insgesamt 20 bisher. Perikles Monioudis wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht, so etwa mit dem Hermann-Ganz-Preis des schweizerischen Schriftstellerverbands, dem Preis der schweizerischen Schillerstiftung und dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. Nun kommt der Glarner Kulturpreis hinzu. Welche Gefühle löst das bei ihm aus? «Starke», betont der 50-Jährige: «Es ist etwas ganz Besonderes, wenn einen die eigenen Leute auszeichnen. So sehr ich mich über Preise und Auszeichnungen etwa im Ausland freue – zu Hause schlägt das Herz höher.»

 

Persönliches

Vorname, Name

Perikles Monioudis

Alter, Sternzeichen

50, Jungfrau

Wohnort

Zürich-Hottingen

Beruf

Lic. phil. I, Soziologe; Schriftsteller, 
Chefredaktor

Interessen und Hobbys

Sport, weltweiter Kurzwellenfunk, 
Morsetelegrafie

Liebster Ort im Kanton und in der Welt

Klöntal, Côte d’Azur

Lieblingsessen

«Höreli und Ghackets mit Öpfelmues»

Lieblingsmusik

Sinfonische und elektronische Musik

Grösstes Anliegen

Nicht bei der Bildung sparen!

 

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