Persönlich

Von Grossen und Kleinen «Babys»

Corina Elmer-Ferrari arbeitet seit 30 Jahren in der Kinderkrippe Glarus. Und noch ist kein Ende in Sicht.

Marija Lepir

«Wenn ich nicht immer noch dafür brennen würde, wäre ich schon längst weg», sagt Corina Elmer-Ferrari, die Leiterin der Kinderkrippe Glarus, während die anwesenden Kinder im Hintergrund spielen und singen.
Immer wieder steht sie auf, um hereinkommende Kinder zu begrüssen oder nach den Kindern zu sehen, die gerade aus der Zumbalektion kommen. «Ich bin geboren für die grossen Kinder», schmunzelt sie. Schliesslich ist sie selbst die Gruppenleiterin der «Grossen Gruppe» ab drei Jahren. Seit nun 30 Jahren arbeitet die 50-jährige Halb-Italienerin in der Kinderkrippe Glarus. Kurz nach ihrem Abschluss zur Kleinkindererzieherin in der Krippe hat sie die Leitung übernommen.

30 Jahre und kein Ende in Sicht

«Wissen Sie, ich wusste schon immer, dass ich Kleinkindererzieherin werden möchte. Oder Dekorateurin», lacht Corina Elmer-Ferrari. Sie habe eine kreative Ader, die sie auch hier in der Kinderkrippe perfekt ausleben könne. «Wir basteln viel mit den Kindern, wir dekorieren und spielen. Ich habe so viele Ideen, ich komme gar nicht dazu, sie alle umzusetzen», sagt sie. Sie geniesst ihren Job nach wie vor und ausserdem, so sagt Corina Elmer-Ferrari lachend, ist sie auch einfach gerne Chef.
Der Job erfordere viel Flexibilität und Organisationstalent, zumal sie nicht die klassische Krippenleiterin sei, die nur im Büro hockt. 12-Stunden-Tage sind für Corina Elmer-Ferrari keine Seltenheit. Die Arbeit verlangt ihr viel ab, dies merkt sie mit dem Alter immer mehr. «Wir haben immer ein so volles Programm in der Krippe, da bin ich abends selber müde davon», sagt sie. So schön und erfüllend die Arbeit in der Kinderkrippe Glarus auch ist, es gibt auch Schattenseiten.
Von der Krippenleiterin werde viel verlangt: Sie müsse für die Kinder, deren Eltern und auch ihre Mitarbeiter da sein. Dazu kommen noch finanzielle sowie personelle Sorgen, mit denen sie öfters zu kämpfen hat. Für alle da zu sein, allen das Gefühl zu geben, sie seien die Nummer eins, koste extrem viel Energie und sei eine Herausforderung. Viele Geschichten, gerade wenn es Kindern wegen ihrer familiären Situation schlecht geht, würden ihr auch nach 30 Jahren noch ans Herz gehen und schlaflose Nächte bereiten. Kraft und Motivation geben ihr die fröhlichen Kindergesichter. Die Kinder und der Spass an der Arbeit würden alles wieder aufwiegen.
Auch etwas ganz Besonderes: Die Kinder, die Corina Elmer-Ferrari während ihrer Lehrzeit betreut hat und heute erwachsen sind, bringen ihre eigenen Kinder nun in die Krippe. Manchmal komme es auch vor, dass sie 18-Jährige auf der Strasse grüssen würden, die früher in der Krippe waren.

Ausgleich zum «Krippen-Wahnsinn»

In ihrer Freizeit fährt die Mutter zweier Söhne, 14 und 18 Jahre alt, leidenschaftlich Motorrad. Mit ihrer Harley geht sie abends gerne «den Kopf durchlüften», wie sie sagt. Das sei nebst ihrer Familie und ihren Freunden der grösste Ausgleich zum Beruf. «Ich habe auch das Glück, eine problemlose Familie zu haben. Meine Jungs sind sehr pflegeleicht.»
Corina Elmer-Ferrari und ihr Mann sind seit einigen Jahren Mitglieder bei den «Harley Freunden Glarnerland» und unternehmen im Mai eine 10-tägige Motorradtour durch Europa. «Darauf freue ich mich wie ein kleines Kind», sagt sie lachend.
Ausserdem unterstützt sie ihren Bruder Angelo Ferrari im Familienunternehmen. Sie hilft unter anderem beim Einkauf und im Geschäft. Sie sei zum Arbeiten geboren, wie sie sagt. So habe sie bereits als Kind im Geschäft der Eltern mitgeholfen. Und genau dahin möchte sie irgendwann auch wieder zurückkehren. Denn trotz aller Leidenschaft und Liebe – irgendwann hat auch sie genug. «Also als grauhaarige Frau will ich hier nicht arbeiten», meint die Blondine schmunzelnd.
Wann genau sie die Krippe verlässt, weiss Corina Elmer-Ferrari bislang nicht. Noch habe sie zu viele Ideen, die sie umsetzen möchte. «Es kann eben auch ein Problem sein, wenn man gerne arbeitet», resümiert sie zum Schluss, verabschiedet sich mit einem herzlichen Lachen auf den Lippen und gesellt sich zu den spielenden Kindern.

 

Persönliches

Vorname, Name

Corina Elmer-Ferrari

Alter, Sternzeichen

50, Steinbock

Wohnort

Schwanden

Beruf

Kleinkindererzieherin/Krippenleiterin

Interessen und Hobbys

Dekorieren, Basteln, Harley fahren

Liebster Ort im Kanton

«Der ganze Kanton ist wunderschön.»

Lieblingsessen
Italienische Küche

Lieblingsmusik
Italienische Musik/neuste Hits

Grösstes Anliegen

Dass der Krieg auf der Welt aufhört und sich die Menschen wieder mehr an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen.

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