Familie Rüttgers

Christian Alexander hält sein Mittagsschläfchen. Zeit, die genützt werden muss, denn sobald das zweieinhalbjährige Energiebündel wieder wach ist, wird es schwierig, ein Gespräch zu führen. «Christian kann richtig wild sein», lacht seine Mutter Sibylle Rüttgers.

Noch gut kann sie sich erinnern, als sie und ihr Mann vor vier Jahren nach Luchsingen gezogen sind. «Wenn Kinder haben, dann hier», hätte sie zu ihrem Mann gesagt, als sie vor ihrem neuen Haus standen. «Die Lebensqualität stimmt einfach, wir haben genügend Platz zum Leben und ausserdem einen wunderbaren Blick auf den Tödi», schwärmt Sibylle Rüttgers. Und ihr Mann doppelt nach: «Wir haben uns sozusagen auf den ersten Blick in die Landschaft verliebt.» Ausserdem, fügt er hinzu, fühle man sich in der Schweiz sicher. In Deutschland hätte es schon Momente gegeben, in denen sie sich vor Terroranschlägen gefürchtet hätten.

Dabei war der Umzug alles andere als eine geplante Sache. Innerhalb von nur zwei Monaten haben Sibylle und Jörg Rüttgers ihre Zelte in Düsseldorf abgebrochen, um ins Glarner Hinterland zu ziehen. «Wir standen an einem Punkt, an dem wir viele Ziele erreicht hatten, mein Mann hatte eine eigene Arztpraxis und ich eine gute Stelle. Auf einmal fragten wir uns, ob es das nun war», erinnert sich Sibylle Rüttgers heute zurück. So entschieden sie sich, irgendwo nochmals von vorne zu beginnen.

Durch eine Patientin von Jörg Rüttgers, die einen Arzt der damaligen Höhenklinik in Braunwald kannte, kam der Stein schliesslich ins Rollen. So dass eines Tages bei Rüttgers das Telefon klingelte und ein Stellenangebot aus dem Glarnerland eintraf. «Die Stelle war für mich als Allgemeinmediziner, Akupunkteur und Homöopath interessant», blickt Jörg Rüttgers zurück. Kurz entschlossen liessen sie das pulsierende Stadtleben hinter sich und tauschten es gegen das Landleben.

«Vor einiger Zeit waren wir wieder einmal in Deutschland, als wir dann wieder ins Glarnerland fuhren, sagten wir: <Ah, ist das schön, zum Glück sind wir wieder zu Hause>». Sibylle Rüttgers lacht: «Als Kind hatte ich zwei Tanten, die in der Schweiz lebten. Wir fuhren dann immer zu den <Tanten in der Schweiz> in den Urlaub, was für mich immer ein Höhepunkt war. Da sie in der Zwischenzeit gestorben sind, bin nun ich <die Tante in der Schweiz>.»

Heute übt Jörg Rüttgers seinen Beruf im Praxiszentrum Meinradsberg in Einsiedeln aus. Sibylle Rüttgers arbeitet nicht. «Auf Grund der Aufenthaltsbewilligung durfte ich zuerst ein halbes Jahr nicht arbeiten», erklärt sie. Da es für sie, die Rechts- und Politwissenschaften studiert hatte, eher schwierig ist, einen Arbeitsplatz in der näheren Umgebung zu finden, entschlossen sie sich, sich nicht sofort in die Suche zu stürzen: «Angenommen ich würde in Zürich eine Stelle finden, dann hätte Christian gar nichts mehr von uns, da ja mein Mann auch relativ lange pendeln muss.»

Auch wenn seine Mutter nicht arbeitet, hat Christian die Möglichkeit, an drei Nachmittagen in der Woche die Kinderkrippe in Schwanden zu besuchen. «Da Christian ein Einzelkind ist, ist es sehr wichtig, dass er trotzdem in Kontakt mit Gleichaltrigen kommt», ist Sibylle Rüttgers überzeugt, «zugleich profitiert er sehr von der Kinderburg.»

Ausserdem lässt dies seiner Mutter Zeit, sich um den Haushalt zu kümmern, die Einkäufe zu tätigen, Büroarbeiten zu erledigen und manchmal sogar um schnell in einem Buch aus dem Stapel, den die passionierte Leserin immer neben dem Kochherd hat, zu schmökern. «Da die Grossmütter nicht in der Nähe wohnen, bin ich schon froh, dass Christian ab und zu in die Kinderkrippe gehen kann». Und schmunzelnd fügt Sibylle Rüttgers hinzu: «Früher dachte ich immer, einen stressigen Job zu haben. Doch Muttersein fordert einiges mehr.»

Quelle: «Die Südostschweiz»