Familie Coevoets

Bei Familie Coevoets in Glarus stehen Holzzoggeln, so genannte «Klompem» als Dekoration vor der Haustüre. Kein Zufall. Denn Jolanda und Anton Coevoets sind Holländer. Vor zwölf Jahren lernten sie sich damals im Glarnerland kennen und beschlossen, nachdem sie gemeinsam für ein Jahr in die Niederlande zurückgekehrt waren, ihre Siebensachen zu packen und in die Schweiz auszuwandern.

Dass es sie dabei ausgerechnet an den Fuss des Glärnisch zog, ist kein Zufall. Ihre Liebe zu den Bergen und die Abenteuerlust verschlugen die damals 23-jährige Coiffeuse ins Glarnerland, weil sie dort durch eine Bekannte Arbeit gefunden hat.

«Zuerst war ich schon ein wenig skeptisch – sind doch die Berge hier schon grad sehr nah», erinnert sie sich zurück. Ihrem Mann Anton, der anfänglich drei Jahre in Bern arbeitete, ging es ähnlich: «Ich hatte zuerst Mühe, im Glarnerland zu leben. Eiger, Mönch und Jungfrau waren in Bern noch auf beträchtliche Distanz», meint er. Doch eben: zuerst. Bis heute haben sie nie bereut, ihre Zelte in Glarus aufgeschlagen zu haben. «Die Lebensqualität ist hervorragend, es ist ruhig und wir haben genug Lebensraum. Wir fühlen uns hier einfach zu Hause.»

Inzwischen sind Coevoets' auch nicht mehr zu zweit sondern zu fünft. Mit ihren Kindern Laurenz (7), Robbert (5) und Mauritz (3) leben sie in ihrem frisch renovierten Haus mitten im Grünen. «Ich bin sehr froh, dass unsere Kinder in einer solch heilen Welt wie hier aufwachsen können. Sie haben die Möglichkeit, draussen zu spielen, ohne dass ich Angst haben muss.» Für Jolanda Coevoets keine Selbstverständlichkeit: «Unsere Angehörigen, die in Holland leben, können sich nicht vorstellen, dass beispielsweise Robbert den Weg von gut einem Kilometer in den Kindergarten alleine zurücklegt.»

Im Glarnerland haben sie ihre Heimat gefunden und möchten, dass sich auch ihre Jungs hier zu Hause fühlen – mitunter ein Grund, weshalb alle drei seit dem Babyalter während zweier Tage die Kinderkrippe und daraufhin den Kinderhort besuchten. «Dort lernen sie Dinge, die ich ihnen nicht mitgeben kann, seien es Gewohnheiten, das Essen oder auch Bräuche», meint die dreifache Mutter überzeugt. Sogleich meldet sich Laurenz und erklärt eifrig: «Zum Beispiel der Samichlaus. In Holland haben wir nämlich den Sinterklaas, der mit dem Schiff kommt. Das geht in derSchweiz natürlich nicht, weil es hier so klein ist. Deshalb reitet der Sinterklaas mit dem Pferd von Holland in die Schweiz und zu den Leuten.»

Doch neben der Integration möchte Jolanda Coevoets nicht auf ihren Beruf als Coiffeuse verzichten, den sie im eigenen Geschäft während zweier Tage ausübt. Ihr Mann arbeitet als Pflegedienstleiter im Altersheim Letz in Näfels. «In der Schweiz ist es nicht üblich, drei Kinder zu haben, wenn beide Partner arbeiten, das ist nicht immer einfach. Da muss man sich oft auch rechtfertigen. Zudem wird die Organisation durch die unterschiedlichen Anfangs- und Schlusszeiten noch viel komplizierter.»

Momentan besucht Mauritz die Kinderkrippe in Schwanden, kann aber bald nach Glarus wechseln, weil dort ein Platz frei geworden ist. Robbert ist während fünf Vormittagen im Blockzeitenkindergarten. «Und ich gehe in die erste Klasse», berichtet Laurenz gleich selbst. Jeweils am Freitag ist er ausserdem im Kinderhort in Glarus anzutreffen: «Dann habe ich eben von halb acht bis halb elf Uhr Schule und muss dann nochmals von halb zwei bis um drei Uhr gehen. Um dies zu überbrücken, gehe ich in den Hort essen.» In Holland sei es mit den einheitlichen Schulzeiten schon einfacher, meint Jolanda Coevoets. Aber trotzdem: «Zurückgehen ist für uns kein Thema. Wir sind hier zu Hause.»

Quelle: «Die Südostschweiz»