Persönlich

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Der Traum vom Fliegen

Ab durch die Lüfte: Thomas Walt fliegt schon seit er 16 Jahre alt ist. Noch heute geniesst er jede Sekunde, wenn er in seinem Segelflugzeug über das Glarnerland fliegt.

Von Beate Pfeifer

Thomas Walt träumt nicht nur vom Fliegen – er fliegt auch, seit er 16 Jahre alt ist. Schon sein Vater war viele Jahre lang Fluglehrer in Mollis. Da war es wohl naheliegend, dass der Sohn in seine Fussstapfen tritt.
Als 16-jähriger begann Thomas Walt mit dem Segelfliegen in Mollis, mit 17 absolvierte er die Prüfung und kurz darauf folgte das Motorfliegen. Seither ist die Fliegerei seine grosse Leidenschaft. «Das Schöne am Fliegen ist die Freiheit. Das Abheben, das Loslassen … Man ist in seiner eigenen Welt, wird mit den Naturgesetzen konfrontiert und kann Grenzen überwinden.» Zudem schaffe das Fliegen eine gewisse Distanz. «Wenn man in der Luft ist und die Welt von oben sieht, dann relativiert sich alles. Fliegen ist wie ein Virus, eine Sucht.»
Dennoch entschied sich Walt zunächst für eine technische Ausbildung und studierte anschliessend Maschinenbau. Auch, weil er damals schon im Kopf hatte, einmal zur Fluglinie Swissair zu gehen. «Die Arbeit als Pilot verlangt zwar kein technisches Studium, aber technisches Verständnis», erklärt er, denn: «Ein Flugzeug ist ein weit entwickeltes, komplexes technisches Gebilde.» Von 1993 an steuerte er zunächst bei der Swissair, später bei der Swiss, Linienflugzeuge. Besonders faszinierte ihn, sich mit einem extremen Hightechgerät in der Natur zu bewegen, denn die Natur setze einem Piloten immer wieder Limiten. Wetterfronten und Gewitter beispielsweise sorgen regelmässig für Änderungen des Flugplans.
Dass er, der das Fliegen so sehr liebt, einmal seinen Job im Cockpit aufgeben würde, damit hatte niemand gerechnet. 2002, nach dem Grounding der schweizerischen Fluggesellschaft, erhielt Walt die Möglichkeit, in ein Unternehmen einzusteigen. «Als Berufsflieger arbeitet man unregelmässig. Das ist mit einer Familie schwierig», sagt der dreifache Vater. «Ich habe 2009 mit der Berufsfliegerei aufgehört, weil ich die Möglichkeit hatte und weil ich dachte, dass ich in meiner zweiten Berufshälfte etwas anderes machen möchte.» Mit dem neuen Job als Geschäftsführer ging eine gewisse Planbarkeit einher, die seinem Familienleben und seinem sozialen Leben guttat.
Heute sitzt Thomas Walt nur noch in seiner Freizeit im Cockpit – entweder im eigenen Motorflugzeug, ein Eigenbau, den er vor einigen Jahren erwerben konnte, oder in einem der Segelflugzeuge der Segelfluggruppe Glarnerland, deren Präsident er ist. Als Segelfluglehrer bringt er zudem jungen – und auch älteren – Piloten das Fliegen bei. Die Tage auf dem Flugplatz Mollis geniesst er sehr. «Es ist wie eine kleine Auszeit. Man kann ‚entlüften‘. Das Fliegen zwingt einen, alles andere auszublenden.»
Die Tendenz sei heute, möglichst viele Sachen in der Freizeit zu unternehmen, beispielsweise morgens Velofahren und nachmittags fliegen. Fliegen ist jedoch nichts, was man nur halb betreiben kann. Da im Verein alles auf ehrenamtlicher Arbeit basiert, müssen alle mit anpacken. Deshalb verbringen die aktiven Mitglieder auch oft den gesamten Samstag auf dem Flugplatz. Dafür sei Segelfliegen ein günstiger Einstieg in die Fliegerei. Die Freiheit über den Wolken ist grundsätzlich jedem zugänglich. Ein paar Grundeigenschaften, wie ein gewisses Koordinationsvermögen und eine dreidimensionale Vorstellungskraft seien jedoch von Vorteil, so Walt, der durchschnittlich ein bis zwei Tage pro Woche im Glarnerland verbringt. Obwohl er im Toggenburg aufgewachsen ist, ist das Glarnerland ein Teil seiner Heimat. Er kennt hier jeden Hügel und jede Schlucht, auch wenn alles von der Luft aus betrachtet ganz anders aussehe als von der Erde aus.
Für seine private Zukunft wünscht sich Thomas Walt vor allem eines: mehr Zeit zum Fliegen.

www.sgglarnerland.ch

 

Persönliches

Vorname, Name
Thomas Walt
Alter, Sternzeichen
53, Widder
Wohnort
Lichtensteig im Toggenburg
Beruf
Maschinenbauingenieur, ehemals Pilot bei Swissair und Swiss, heute Mitinhaber der Firma EBT swiss engineering AG in Neuhaus SG
Interessen und Hobbys
Segelfliegen und Fliegerei generell, Fotografieren, Musik hören
Liebster Ort im Kanton und in der Welt
Flugplatz Mollis und da, wo man zu Hause ist, in Lichtensteig
Lieblingsessen
Italienische Ku?che: frische Spaghetti mit selbst gemachter Tomatensauce, Salat und einem guten Rotwein
Lieblingsmusik
Blues, Soul, Folk, Rock
Grösstes Anliegen
Dass der Flugplatz bestehen und vielfältig bleibt. Toleranz gegenu?ber anderen in jeder Beziehung wäre nicht schlecht, Leben und Leben lassen ...

 

 


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