Kolumne

Easy, logisch, mega. Für mich stimmts!

Von Toni König

Ein ganz urbaner Alltag, nicht süss urban wie in Glarus-City, sondern urban, das etwas auf sich hält und nicht scheu ist, es zu zeigen, nein, stolz ist man, wie man global aus den Sonnenbrillen glotzt.
Für mich stimmt’s!, meinte mein guter Bekannter. Top-Job, hohe Position, Zugänge zu allen möglichen Vernissagen; ob ich heute mit ihm mitkommen wolle, Catwalk für eine neue Unterhosen-Linie. Wo? Im angesagtesten Untergrundparkhaus, das umgewürgt wurde in einen Garage-Club.
Und er erzählte: Er lebt in seiner dritten Scheidung, hat von vier verschiedenen Frauen drei Kinder, die er auf dem Lebenslauf hinzusetzt, als mannhafte Leistung quasi, die beachtet werden sollte, falls Interesse. Im Moment ist er in ein Verhältnis gerutscht – es hat sich einfach ergeben – mit der lesbischen Partnerin seiner zweiten Ex-Frau, aber sonst sei alles easy.
Zwar sei seine Flugangst schlimmer geworden, die Höhenangst hinzugekommen und nun noch eine Katzenhaarallergie hintendrein, erst kürzlich entdeckt, im Lesbennest. Sein Psychiater rate, Katzen möglichst zu meiden, was jetzt so leicht nicht sei. Aber sonst super!
Und die Kinder? Mega süss, ein Foto, zwei Fotos, drei Fotos, alle lächeln, der Älteste ist schon tätowiert mit Freundin. Die Jungen werden wieder romantisch! Sie tun alles anders, aber nicht weniger gut als wir, meinte er. Digital natives halt. Bei der Jüngsten hätte man endlich herausgefunden, dass sie ADHS habe. Eigentlich logisch! Jetzt sei alles gut, mit den Pillen sei das Übel behoben.
Nur die letzte Frau blockiere die Mediation, sie tue nicht, wie sie sollte. Wird nie erwachsen. Aber sonst: die Krippe genial, die Ex wohne mit einem Engländer um die Ecke, in der Schule glänzten sie mit Noten, der Mittlere, eine Ausnahmebegabung im Hinterrücksjonglieren, wolle auf eine Bi-langue School. Die koste viel, aber man zahle halt für den Ruf. Heute sei der Name der Schule wichtiger als der Kopf des Kindes, sagt er, der Vierfach-Vater. Internat sei zwar teuer, aber Investment!
Auch die Lesbe, die ja jetzt, seit ihm, keine mehr ist oder sein wolle, lächelt im fehlenden Kleid. Sie designt vegane Brötchen: Healthy Häppli. Bilder ihrer Küche, von ihrem Badezimmer, Wohn-, Arbeits-, Schlaf- und Kinderzimmer. Ein Foto von einem toten Elch, die er selber, Foto und Tier, geschossen habe, hängt überm Kinderbett.
Ihr Sohn aus erster Ehe, vor der Umkehr der Umkehr, sei mega. Talent für drei. Probleme für vier. Aber der Sozialarbeiter, der ihn durch die Adoleszenz begleite, habe einen super Draht zu ihm; die würden sogar nach Mitternacht miteinander whats-appen.
Ob ich Kite surfe? Er auf dem Titisee. Dazwischen ein Sauna-Anruf von der Ehefrau, die fragt, warum die Milch nicht Soja. Aber sie hätten nie Probleme. Logisch, manchmal, wie alle. Einmal pro Woche Partner-Yoga, und alles sei easy. Kommst du? Sie bringe eine kreative Kollegin. Warum wohnst du in Glarus? Er könnte nie: Schattenphobie und Tinnitus wegen Felsen. – Sorglos ist das Leben!


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