Kolumne

Fortschritt oder Rückschritt

Von Mathias Vögeli

Der österreichische Schriftsteller Robert Musil meinte, «Fortschritt wäre wunderbar – wenn er einmal aufhören würde». Ich bin einfach dankbar, wenn Fortschritt ermöglicht wird. Denn wo neue Ideen ?geäussert werden, sind bald Kritiker auf dem Platz. Diese zu überzeugen, kostet oftmals mehr Mühe, als die Ideen umzusetzen.
Häufig denke ich an den Glarner Pioniergeist, den unsere Vorfahren so sehr ausgezeichnet haben. Ich frage mich, warum heutzutage viele gute Ideen und Projekte infrage gestellt und bekämpft werden. Anscheinend geht es uns zu gut. Oder wir haben es einfach nicht mehr nötig, etwas Aussergewöhnliches umzusetzen oder zu wagen.
Was wäre aus dem Glarnerland geworden, wenn die Glarner vor rund 160 Jahren den Kopf in den Sand gesteckt, gewartet und alles verhindert hätten? Damals ging es vielen Menschen in der Schweiz nicht gut. Sie hatten keine Arbeit, waren arm und litten Hunger. Warten auf Veränderung und Entwicklung hätte alles noch verschlimmert, denn Stillstand ist Rückschritt. Die Auswanderung war eine der Optionen, die genutzt wurde.
Aus der Not heraus erwachte im Glarnerland der Pioniergeist. Es erblühte die Textilindustrie. Der Tourismus erwachte: Es entstanden grosse Hotels, teilweise an exponierten, peripheren Lagen. Das Bad Stachelberg mit dem heilenden Schwefelwasser stieg zur Hochblüte auf.
1879 weihten unsere Vorfahren die Eisenbahnlinie Glarus – Linthal ein. Die Leute hatten wieder ein Einkommen. Es entstanden Sozialwerke – die positive Entwicklung war eingeleitet.
Damals hielten die Glarner zusammen. Sie unterstützten sich gegenseitig, weil sie aufeinander angewiesen waren. Sie erkannten: Nur miteinander besteht die Chance voranzukommen. Während gegenwärtig viele dieser Tugenden vergessen sind und das «Gärtlidenken» zunimmt.
«Warum?», frage ich mich. Ist es der Neid oder die Unzufriedenheit einzelner Personen? Und warum sind diese Leute unzufrieden? Ich kenne keine Antwort darauf. Ich weiss jedoch, dass wir Vorwärtsschauen und weiterhin gemeinsam etwas anpacken müssen. Verhinderer und Neider sind dabei fehl am Platz.
Es braucht heute nebst bezahlbarem und attraktivem Wohnraum auch ein breites Angebot an Arbeitsplätzen. Arbeit in näherer Umgebung steigert die ?Chance auf Zuzüger und eine gut durchmischte Bevölkerung. Unternehmen müssen investieren, um zu wachsen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Und dies ?ist wiederum nur möglich, wenn die Gemeinden und der Kanton gute Infrastrukturen und ein finanziell günstiges Umfeld bieten.
«Wir können den Wind nicht ändern, der uns entgegen bläst, aber wir können die Segel richtig setzen», dies erkannte schon Aristoteles. Darum: Schauen wir nach vorne und packen es zusammen an.

 


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